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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 3 (1912) · p. Seite 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
3 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 92 (sequence 20)
Language
German
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— 92 — Hoschana M wird aufbewahrt wie der Atikamen2) hinter dem Wandspiegel. Wer es erlebt, macht dann vor Pesach in der Mazzot- Backstube ein Tänzehen, er singt Psalm 114 und wirft die Hoschana in den Ofen — vor dem Schemura3)-Backen. Am Sehemini azeret wird recht zeitig Mineha gebetet. Der Sehanimasch bleibt im Tempel und gibt den Kindern Kerzenendehen zu ihren Fahnen an Simehath Thora. Er kommt im offiziellen Leibrocke mit langen Schwalbenschwänzen: nach Hause geht er in einem Spenser. Inzwischen ist beim Vorsteher großer Kmpfang. In der Dämmerung holt die ganze Versammlung den Rabbiner in den Tempel ab. Nach Hause wird er mit Musik begleitet. Die jüdischen Häuser sind illuminiert. Am Kolnidre-Abend sowie auch am Simchat tora-Abend besuchtauch die andere (die christliche) Ortsbevölkerung die rSchul". Sie füllt die Vorhalle, die freien Gänge. Vielen wird entgegenkommend Platz gemacht. Am Kolnidre-Abend werden sie erschüttert von der himnielstürmenden Andacht. An Simchat Tora werden sie gerührt von der jubelnden Verzückung. Des Morgens ist bei jedem, der ein Haus macht. Minjan und ein reiches Frühstück, so reich wie die Tafel am Purim-Abend. An Simchat tora muß jeder ..aufgerufen** werden. Die Chatanim4) halten Vortrüge beim Sefer5). Sie wcnlen von den Frauen auf der Galerie mit Zuckerwerk beworfen. Bei ..Kol hane'arim" fällt ein förmlicher liegen hernieder. Hier und da stehen im Polisch6) Flaschen, Gläser und Gläschen. In einem Vororte Budapests muß noch heute ein jeder, der zu „Jahrzeit" in den Tempel Kaddisch7) sagen kommt, eine Flasche Getränk mitbringen. Am Nachmittage geht man von Chatan7) zu Chatan. Mancher geht schon nicht, er wankt. Beim Auseinandergehen von Maarib8) witzeln sie: ..Morgen wird Tü-ecii gilten." Denn, wenn das Habdala9)-Licht verlöscht wird, seufzt gar mancher aus'tiefster Brust: „Was tue ich? Was tue ich morgen, übermorgen, den ganzen Winter?*4 Andächtiger als Mozae Schabbat10) betrachtete er seine Fingernägel, sorgfältiger befeuchtet er seine Brauen und alle seine Taschen mit dem Hawdoleweiu oder — Schnaps. ') Die Bachweidezweige, die am Hoschana rabba gebraucht werden. -\ Besonders sorgfältig zubereitete Mazza. :,i Biiiutägam. 4l Torarolle. b) „Alle Knaben** werden aufgerufen. *; Vorraum der Synagoge. 7) Gebe): der Waise. Ki AbenJgebet. *i Abschied vom Sabbat. lrt) Sabbatausgang.

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