Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 3 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Somit wäre der Sinn jenes Verses*. Wenn an einem Manne eine todeswürdige Schuld gefunden wird, d. h. wenn ein Gerechter stirbt, gn hänge ihn, d. h. die Verantwortung an einen Verächter der Tora. Der Talmud bezeichnet den Hochmütigen als Götzendiener1), tt. Akiba hat nämlich, wie bekannt, die Aceusativpartikel „eth" gedeutet, so in dem Vers: „den Ewigen, deinen Gott, sollst du ehrfürchten*'2) dahiu, daß in diese Ehrfurcht vor Gott auch die Gelehrten miteinbegriffen sein sollen:{). Wenn nun Pharao sagt: Jch kenne nicht den JUVH4), so wird darum wohl vom Midraseh auf ihn das Wort bezogen: im Munde des Toren ist der Stecken des Hochmutes5). War denn aber Pharaos Ausspruch nicht viel mehr Gottesleugnung, als Hochmut? Hochmut zeigt sich darin, daß er nicht, wie JJ. Akiba, das „ethM auf die Gelehrten bezog und sie in die Ehrfurcht vor Gott einschloß. Er wollte mit dem „eth", wie es heißt, nur andeuten: Ich nehme zwei weltregierende Gewalten an, ich kenne nicht euren .IIIVII und weiß nicht, ob ich gut daran tue, auf seinen Befehl Israel zu entlassen. Unser verstorbener Meister erklärte den Unwillen Samuels darüber, daß das Volk einen König wünschte, damit, daß es ihn wünschte, „um uns zu lichten", während doch Samuel selbst iiiehter war. Ich wage nun die Bemerkung: Wie konnte Samuel sich ärgern, da doch, wie Gott ihn versichert, die Beleidigung nicht Ilm, sondern Gott selbst traf? Nur das Volk tadelte in seinem Anliegen die Söhne Samm-ls, die, wenn auch nicht so eifrig wie der Vater, immerhin (wie Tr. Schabbat (>a betont wird) keine Sünder waren. Deshalb ruft Samuel dem Volke zu: „Wenn ihr den Ewigen fürchtet usw., d. h. wenn ihr den Gelehrten mit in die Ehrfurcht einsehließt, was ihr jetzt mit dem Angriff auf meine Söhne außer acht gelassen habt. Bisher habt ihr das ,,etlr nur auf zwei liegenten gedeutet und indem ihr einen irdischen König fordert, wird der himmlische zurückgesetzt. Daß der Gerechte zur Sühne für sein Zeitalter stirbt, dafür beruft sich der SchTh auf den Zohar, der sagt: ganz Israel wird eine einzige Seele genannt, und wie die Glieder des Menschen, mit einer verbunden, eine Einheit bilden, so daß, wenn eines geschlagen wird, alle anderen den Schmerz mitleiden, oder wenn einem zur Ader gelassen wird, alle davon gesunden, so läßt Gott auch seinem Arm, d. i. dem Gerechten, zur Ader, und durch seineu Tod wird ganz Israel gesühnt. So sollte es doch, meint der Midraseh, genügen, daß man nun dem Tode der Söhne Ahrons im Nissan, in dem sie ja gestorben sind, aus der Thora vorliest, da ja der Tod der Gerechten an sich schon, wie der Jomkippur, eine Sühne bildet. Man hat aber diese Vorlesung auf den Jomkippur ') Sota 4 b. v) Dt. 6,13; 10,20. *) Kidduechin 30 b. 4/ Ex. 5,2. Spr Sal. 14,3.