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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 3 (1912) · p. Seite 86

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
3 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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— 80 - wie wir es hier beim Ableben unseres teuren Verstorbenen, trotz der Einsprache jenes Widersachers, getan haben. Wenn dieser Herr meint, der Tod sei etwas Natürliches und keine Trauerfeier nötig, so erinneie ich an die Warnung des K. Jonatan Eibeschütz in seinem Werk Jaarot debasch, daß man ja nicht den Tod des Gerechten einen Zufall nennen dürfe, und nun erst den eines Gelehrten! Wenn man schon eine altehrwürdige Thorarolle beweint, wenn sie ein Kaub der Flammen wird, um wieviel mehr einen Thoragelehrten, der bis ins hohe Alter Thora gelehrt und gemehrt hat, wie es der Verstorbene bis zum letzten Atemzuge getan hat. Daß unmittelbar auf den Bericht vom Tode Mirjams die Vorschrift über das < >pfer der roten Kuh folgt, erklärt K. J(onatan) damit, daß ebenso wie die Asche dieser Kuh, auch der Tod eines Gerechten die Unreinen, läutert und die Reinen unrein macht, indem er auf der einen Seite für die Sünder eine Sühne ist, auf der anderen aber, indem er die gerechte Seele ihrem irdischen Wirkungskreise, dem sie Segen gespendet, entzieht, für sie eine Einbuße bedeutet. Im Tr. Ta anith 5b heißt es: Die Schrift sagt: „Als Samuel alt geworden war, usw." Er zählte doch aber bei seinem Tode erst T)2 Jahre! Es war eben nicht ein natürlicher Tod1 sondern die Sünden seiner Zeit mehrten ihm die Last der Jahre, um ihretwillen starb er. In seiner Leichenrede auf K. Run b. Chijja (j. Berakhot II f. 5 c) gebrauchte II. Zei'ra das Gleichnis von den Arbeitern im Garten eines Königs, von denen der eine, obwohl er weit kürzere Zeit gearbeitet, docli für seine Leistung den gleichen Lohn verdiente. Wenn nun Gott von der Geburt eines Gerechten an die Sekunden seines Lebens, zählt, wie sollte da der Tod eines solchen Gelehrteu ein Zufall und nicht vielmehr eine Sühne für sein Zeitalter sein! Hiermit erklärt sich wohl auch der Vers „wenn an einem Manne eine todeswürdige Schuld gefunden wird, so soll er an ein Holz gehängt werden . J)*' (anders als im SchTh) wie folgt: der Mensch wird Holz (hebr. Baum) genannt, denn einmal heißt er „Baum des Feldes44 *), dann bezieht man die Worte „ein Baum des Lebens ist siettH) auf die frommen Gelehrten und auf die, die ihnen wohlwollen, „verdorrter Baum" nennt man (so das Buch Dibre Zikkaron nach dem Reschit ehokhraa und dieser nach dem Zohar) ihre Verächter, wie Jesaja4) sagt: Es klage nicht der Verschnittene: „ich bin ein verdorrter Baum", sondern es verheißt der Herr rden Verschnittenen, die meine Sabbate halten und meinen Bund festigen uusw. Gemeint sind damit diejenigen, die nicht die Woche lang, sondern nur am Sabbat die Gotteslehre studieren können, dafür aber die Vertreter der Wissenschaft und damit den heiligen Bund stützen und festigen. ') Dt. 2!,22. »i Dt. 20,19. ») Spr. Sal. 3,18. 4) Jea. 66,3.

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