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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 3 (1912) · p. Seite 85

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
3 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 85 (sequence 13)
Language
German
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In einer Leichenrede im Talmud heißt es1): „Beweinet die Trauernden und nicht den Verstorbenen, denn er ging zur Ruhe...." Hierzu bemerkt der Verfasser des [Sch'Th —] Sehne luehot ha-berit (Jesaja Hurwitz): Der Gerechte geht mit dem Tode nicht verloren. Die Sonne geht nur für uns unter, in Wirklichkeit leuchtet sie der anderen Erdhülfte, wenn es bei uns Nacht ist, und ebenso leuchtet der Mond am Tage, wenn wir ihn auch nicht sehen. So ist nun jener Vers im Jereinia zu verstehen: Beweinet nicht den Tod des Gerechten, sondern daß er fortgeht und uns schutzlos zurückläßt; denn des Gerechten Gelehrsamkeit und Gebet ist seiner Stadt ein Schild. Und das will Jesaja sagen mit den "Worten: „er geht in seiner Geradheit", Auch der sterbende David sagt bei seinem Abschied von Salome: ..Siehe, ich gehe (1. K. -.2)." Als II. Jochanan ben Snkkai in seiner Sterbestunde weinte und seine Schüler nach dem <Irund dieser Tränen fragten, antwortete er: ..Vielleicht muß ich morgen schon in das Gehinnom wandern-|.u K. Isak Alfasi bemerkt hierzu: „Manche Gerechte werden von Gott ins Gehinnom gesandt, damit die Seelen der Sünder sieh ihnen anschließen und so den Weg ins Ganeden linden." So verstehen wir den Psahnvers Davids: ,.Wenn ich auch das Tal der T<»desschatten durchwandern müßte G*s. -3,4) und jene seine Abschiedsworte an Salomo. Die Mahnung .Jeremias will also besagen: ,,Beweinet den, der um eurer Sünden willen den Weg durchs Gehinnom wandern muß." Doch nicht all«* Sünder werden durch die Gerechten aus dem Gehinnom erlöst. Im Tr. Bosch haschana (16b) wird erwähnt, daß manche, darunter auch, die von den Wegen der Gemeinde abweichen, dieser Erlösung nicht teilhaft werden, so z. B., wie wir das jetzt erlebt haben, ein Mensch, der, während die Gemeinde den Tod ihres geistigen Führers beklagt, sich über diese Trauer frivol hinwegsetzt. Wenn, so meint also Jesaja, „die Menschen es sich nicht zu Herzen nehmen", daß der Gerechte gestorben, dann braucht dieser um solcher Sünder willen, die er ja doch nicht erlösen kann, nicht erst den Umweg über das Gehinnom nehmen, sondern ..er geht seine gerade Richtung" direkt ins Ganeden. Nun erst haben wir die Antwort auf die Frage: Wie ist die Beschwörung des Geistes Samuels durch Saul zu erklären? Nach Samuels Tode kommen die Philister über Israel und dieses fühlt sich, nachdem jene Gerechten von ihm gegangen, schutzlos. Saul hat zwar zum Zeichen der Trauer um Samuel und der Buße, die solche Trauer bekunden sollte, die Totenbeschwörerinnen beseitigen lassen. Aber gerade durch eine solche läßt er den Geist Samuels beschwören, weil er fühlt, diese Buße reicht nicht hin, und als Samuel es ihm bestätigt, daß Gott noch nicht versöhnt ist, da beginnt Sauls ehrliche Trauer und Buße, indem er sich ein strenges Fasten auferlegt, so ') Moed katao 25 b. *) Berakot 28 b.

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