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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 3 (1912) · p. Seite 84

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
3 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 84 (sequence 12)
Language
German
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— 84 — Worte lassen folgende (von Raschi und Abr. ibn Ezra abweichende) Deutung zu: Im Traktat Baba Kamma1) sagt K. Samuel ben Nachman im Namen von R. Jochanan: Verhängnisse kommen über die Welt der in ihr weilenden Frevler wegen, wie es (Ex. 22,5) heißt: .,So Feuer ausbricht und Dornen ergreift und es ist ein Garbenhaufen oder die Saat oder das Feld verzehrt worden." Nachdem alles andere bereits verzehrt worden, werden die Dornen ergriffen. Auch an die Stelle im Traktat Gittin2) kann erinnert werden, daß der Schadenersatz nach dem Besten des Feldertrages des Geschädigten bemessen wird. So hält sich Gott bei Einforderung einer Schuld der Menschheit zuerst an die Besten. Die dortige Kontroverse zwischen R. Akiba und R. Jisehmael, ob die Sühne nach dem Besten des Geschädigten oder des Schuldigen zu bemessen sei, läßt sich dahin deuten, daß, je gerechter ein Mensch, er desto früher als Opfer für die Sünden der Welt herhalten muß. Sie sind aber als eine solche Sühne der Frevler zugleich das Beste an diesen. Und die Worte im Jesaja: „Die Liebe spenden, werden hingerafft**, beziehen sich auf die, die „den Besten", d. h. der Frommen und Gelehrten, zunächst kommen, „das Mittlere", von dem Tr. Gittin a. a« O. die Rede ist: die Freunde und Wohltäter der Gelehrten. Zuletzt kommt „das Schlechteste", die Frevler, die wie die Dornen dem Feuer, nach allen andern dem Verhängnis erliegen Statt:,, Er geht zum Frieden eiu, (wo) sie ruhen" usw. (s. oben unseren Jesaijatext) läßt sich auch übersetzen: „es geht der Friede unter (sowie: es geht die Sonne unter), wenn sie (nämlich die Gerechten) ruhen." So brach in der Tat nach Samuels Tode sofort Unfriede aus. Oder mit dem „Frieden" sind die Gelehrten selbst gemeint, die ja, nach talmudischer Anschauung, den Frieden in der Welt mehren. Was bedeutet aber der Schluß unseres Textes: „er geht in seiner Geradheit"? Jeremia 2*2,10 fordert: ..Weinet nicht um den Toten . . ., sondern um den, der geht und nie wiederkehrt." Der da ..geht", ist der Gelehrte, der in seinem Forsehensdrange immer weiter geht. Eine Erklärung des Verstorbenen, dem diese Rede gilt, lautet: Mose sagt von. sich selbst: ich kann nicht mehr aus- und . eingehen, d. h. nach dem Kommentar Raschis: die Quellen der Weisheit waren ihm verschlossen. Von Gelehrten, wie Mose doch an erster Stelle einer war, heißt es aber doch: für sie gibt es keinen Stillstand, sie nehmen fortwährend an Weisheit zu! Mose stand eben höher als die Gelehrten. Unter dem Menschen, der nach dem Psalmisten „nur ein wenig Gott nachsteht'4, ist Mose zu verstehen. Er glich den Engeln, deren Wissen nicht zu- oder abnimmt. Er hatte die 40 Tore der Weisheit durchschritten, darum konnte er nicht mehr weiter „aus- und eingehen". ») Baba kamma 60b. a) Gittin 48fg.

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