Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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— 30 - derselben empor und gelangt durch jede Sprosse in einen besonderen Himmel, wo er eine Anzahl von Seelen findet; im oberstenr siebenten sieht er Zoroaster auf einem prächtigen Throne sitzend1). Während aber diese sich damit begnügten, den oder die Himmel bloß gesehen zu haben, hatte Chiram, König von Tyrus höhere Ansprüche : er wollte Himmel haben. Er machte sich zum Gotte (Ezek. 28 2) und demgemäß mußte er auch sieben Himmel schaffen. Er ließ sich daher im Meere auf 40 eisernen Säulen sieben Himmel errichten, die er mit Thron, Chajöth, Donner und Blitz einrichtete. Der erste war aus Glas und hatte 500 Ellen im Quadrat. Da befanden sich Sonne, Mond und Sterne. Der zweite aus Eisen 1500 Ellen im Quadrat und eine Wasserstraße sonderte ihn vom ersten ab. Da waren rollende Steine, die den Donner hervorbrachten. Der dritte aus Blei 2000 Ellen im Quadrat, Der vierte aus Erz, 250ü Ellen im Quadrat, der fünfte aus Kupfer 3000 Ellen im Quadrat, der sechste aus Silber 3500 Ellen im Quadrat,, ausgestattet mit Edelsteinen und Perlen und endlich der siebente aus Gold -iOOO Ellen im Quadrat. Da waren die Chajöth und Kerubim und da stand sein goldenes Bett, an dessen Spitze rote Perlen angebracht waren, worin sich die Chajöth und Kerubim widerspiegelten, und wenn er sich im Bette bewegte, stießen diese aneinander, wodurch Donner und Blitze entstanden. Jeder einzelne Himuael war mit einer Wasserstraße versehen. Gott schickte zu ihm den Propheten Ezekiel, daß er ihn wegen seines Uebermutes zurechtweise, da er aber so hoch nicht hinauf konnte, ließ ihn Gott durch einen Wind bei den Locken des Kopfes fassen,, emporheben (Ezek 83) und vor Chiram bringen. Dieser erschrak beim Anblicke des unerwarteten Gastes, wollte sich aber dennoch selbst auf längeres Zureden dem Willen des Propheten nicht fügen. Er endete daher mit einem qualvollen Tode. Nebukadnezar stieß ihn vom Throne, schnitt ihm täglich zwei Finger breit Fleisch vom Leibe, tauchte es in Essig und gab es ihm zu essen, bis er den Tod fand. Das Gebäude ließ Gott in die Erde versinken, wo es für die Frommen im Jenseits aufbewahrt bleibt2). Aehnliche Sagen sind auch auf andere Völker übergangen,, nur die mitwirkenden Personen ändern sich, je nach der Auffassung des betreffenden Volkes. Den jüdischen Satan vertritt gewöhnlich der Teufel. Bei der Schöpfung baute sich Gott einen l) Döllinger. Judentum und Heidentum 386. -) Beth ham. V 111. Mit einigen Aenderungen Jalk. Ezek. 367, wo die Größe der H. um 500 Ellen variiert, der 2. und 3. H. aus Eisen sind, hingegen, der aus Erz fehlt. Chiram ist einer der vier Bösewichter, die sich zum Gotte machten: Chiram. Nebukadnezar, Pharaoh und König Joasch. Tanch. Gen. 107» Ex 1*2 a Ex. r. 8,2. Jalk. z. St/180 und Jalk. Jerem. 330. Auch Hadrian wird als solcher erwähnt. Tanch. ansaw. Tabari erzählt, der mythische persische König Kai-Kaos habe sich von Daemonen eine Stadt bauen lassen, die zwischen H. und Erde schwebte. ZDMG. 48,189 ff. Den schmählichen Tod Chirams soll König Salcino verursacht haben, der ihn durch einen Daemon vom Bettenehmen und in die sieben Räume der Hölle hinabstürzen ließ. Midr. Talpij. 125*.