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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 1 (1912) · p. Seite 28

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
1 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 28 (sequence 30)
Language
German
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— 28 - Drachen sah, der die Leiber derer frißt, die ihr Leben schlecht verbracht haben und neben ihm lag der noch schrecklichere, aber ihm ziemlich ähnliche Hades. Dort sah er auch den Phönix, der mit seinen Flügeln die Sonnenstrahlen auffängt, da sonst kein lebendes Wesen auf Erden Bestand hätte. Dort sind ferner auch Mond und Sterne. Im vierten Himmel sah er eine große Ebene, wo sich die Seelen der Gerechten versammeln; einen Teich, aus dem der die Erde befruchtende Regen hervorgeht, und eine Menge von Vögeln, die den Herrn lobpreisen. Endlich kommen sie im fünften Himmel an, wo sie den Erzengel Michael treffen. Dieser hält eine Schale in der Hand, deren Tiefe vom Himmel bis zur Erde und Breite vom Norden bis zum Süden reicht. Dahin werden alle Tugenden und guten Werke der Gerechten gesammelt und vor Gott gebracht. Weiter kam Baruch nicht; die Tore wurden geschlossen und er machte sich auf den Rückwegl). Tragischer endete die Himmelfahrt des Propheten Jesaja. Ein Engel führt ihn durch das Firmament und die sechs unteren Himmel hinauf bis zum siebenten, wo er die verstorbenen Heiligen und Gott selbst sieht. Da erfährt er, daß Christus auf die Erde niedersteigen werde und so kehrt er zum Firmament zurück, wo er wieder die Geburt, Leidensgeschichte, Auferstehung und Rückkehr Jesu in den siebenten Himmel sieht. Wegen dieser Vision läßt ihn der Satan durch König Menasse zersägen2). Nach einer anderen Version steigt Jesaja mit seinem Begleiter hinauf zum Firmament, wo die Engel Satans aus Neid miteinander kämpften. Von da ging er in den ersten Himmel, wo in der Mitte ein Thron steht, rechts und links lobsingende Engel. In den übrigen Himmeln ist kein Thron, nur Engel, die dem Vater und sainem geliebten Sohne Hymnen singen. Als er den siebenten bestieg, stieß er auf *) Kautzsch, die griechische Baruchapokalypse. Die syrische Apok. kennt die sieben Himmel nicht, die slavische bloß zwei, aber ursprünglich muß die griechische auch sieben, nicht fünf gekannt haben. Kautzsch, Pseudepigraphen d. alt. Test. II 447. Nach der slavischen Henochlegende hat auch dieser die sieben Himmel bereist. Das. 121 Note i. 2) Nach dor äthiopischen Version des Martyrium Jesaja wird der Samaritaner Bechira (Balkira) durch den Satan aufgereizt, den Propheten beim König Menasse zu verleumden, daß er Drohworte gegen Jerusalem und den König verkünde und sich über Moses erhebe, weil er Enthüllungen über die Herabkunft Christi aus dem siebenten Himmel, über seinen Tod, seine Auferstehung, Himmelfahrt und Wiederkunft machte. Kautzsch a. a. 0. 120. Im Talmud wird die Zersägung des Propheten so dargestellt, daß ihn der König zur Verantwortung zog, warum er sich über Moses erhebe. Jesaja hätte sich zwar verantworten können, er wußte aber, daß seine Verteidigung nichts nutzen werde, daher schwieg er lieber, damit seine Verurteilung wenigstens den Schein eines rechtmäßigen Urteils habe. Er ließ sich von einer Zeder verschlingen, diese aber wurde zersägt und als die Säge an seinen Mund kam, gab er den Geist auf, zur Strafe, weil er sagte: Ich wohne unter einem Volke unreiner Lippen (65). Jebam. 49b. An anderem Orte wird erzählt, daß sich Jesaja in eine Zeder flüchtete, die ihn verschlang, aber die Fransen seines Mantels waren doch sichtbar, so daß man ihn entdeckte und die Zeder zersägte. J. Sanh. X 28<>44, Midr. Ag. II 158. Dähnhardt a. a. 0. II 47. Ueber ähnliche Sagen bei den Arabern und Persern s. Kautzsch a. a. 0. 122.

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