Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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- 22 — sei eine Kugel und die Erde eine kreisförmige Scheibe, die auf dem Wasser schwimme. Diese Ansicht teilt auch Isidor von Sevilla (VII. Jhdt). Der Himmel — sagt er — sei eine Kugel und die Erde, im Mittelpunkte der Welt befindlich, steht an jedem Punkt gleich weit vom Himmel ab, ist somit auch eine Kugel Nach Prokop von Gaza (VI. Jhdt.) ist der Himmel halbkugelförmig, gestützt und hängt über der Erde Er ist festgestützt zwischen dem. ober- und unterhimmlischen Wasser, gleichwie die Erde und diese ist untergelagert dem Himmel so, daß sie sich auch zwischen jenen beiden Wassern befindet. Die Ordnung wäre daher folgende: Oberhimmlisches Wasser, Himmel, Erde, unterhimmlisches Wasser. In diesem Wasser schwimmt die Erde. Gegen die Kugelgestalt des Himmels eifert besonders der Mönch Kosmas Indikopleustes (VI. Jhdt.). Er macht den heidnischen Schriftstellern den Vorwurf, daß sie dem Himmel eine kugelförmige Gestalt geben und eine kreisförmige Bewegung, was mit der Bibel im Widerspruche ist. „Man sah die Gestirne im Osten stets auf- und im Westen stets untergehen, und weil man sich die Maschinerie nicht näher erklären konnte, wie die Gestirne von der Westnach der Ostgegend wieder zurückgelangten, so hielt man den Himmel für gekrümmt (devexum), was aber nur so erschien wegen seiner gewaltigen Breite. Dadurch ließ man sich verleiten, die Welt für gerundet zu halten und wegen der Bewegung der Sterne den ganzen Himmel rotieren zu lassen, um so die Sterne an ihren Anfangspunkt zurückzusetzen. Die Kugelform des Himmels stamme vom babylonischen Turmbau, wo man sich ihn kugelförmig vorstellte. Da in Babylonien Chaldäer wohnten, so ist ihnen diese Theorie zuzuschreiben. Diese brachten sie nach Aegypten und von diesen übernahmen sie die griechischen Philosophen". Auch Severin von Gabala f 407 eifert gegen diejenigen, die sich den Himmel als eine sich drehende Kugel ((j<paTpav xuAi<>[jivY)v) vorstellen. Den Hauptbeweis liefert Jes. 4022 wonach der Himmel als eine ausgespannte Zeltdecke anzusehen sei1). Der Psalmist [197) spricht von einer Spitze des Himmels2). Wäre der Himmel eine Kugel, könnte er keine Spitze haben. . . . Ist die Erde scheibenförmig, so kann die Sonne nur so nach Osten zurückkehren, daß sie am Rande des Himmels im Meere nach Norden gewendet gegen Osten zurückgeht3). In bezug auf die Rückkehr der Sonne nach Osten folgen die meisten alten Kosmologen Severian, da sie keinen anderen Weg finden. Kosmas stellt sich die ganze Welt wie ein kastenförmiges Gebäude vor, das in halber Höhe durch das Firmament geteilt ist Der untere Raum ist die irdische, der obere die x) Auch das vorhergehende n^tiw p-tr naun beweist, daß der Himmel einem Schleier des Auges gleicht. Tanch ix. 2) c*etpn nxpts LXX azpov wu oöpavou. Unter anr^n nxp und o»Dt&n nxpö versteht der Sohar zwei verschiedene Bimmel dieses Namens II 211 a. 3) Alle Stellen aus Kretschmar. die physische Erdkunde im christl. Mittelalter.