Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 21 — leuchtet sie wieder den ganzen Tag1). Auch Homer läßt den Sonnengott im Osten aus dem Sonnenteiche aufsteigen und im Westen wieder untertauchen2). Wo immer jedoch die Sonne die Nacht zubringt, fraglich bleibt, auf welchem Wege sie wieder nach Osten zurückkehrt. Darüber streiten die Weisen Israels mit denen der Völker. Erstere behaupten, die Sonne gehe bei Tag unter dem Himmel, bei Nacht über demselben (zurück nach Osten). Letztere hingegen sagen, bei Tag unter dem Himmel, bei Nacht unter der Erde. Rabbi gibt diesen recht. Beweise: das Quellwasser ist bei Tag kalt, bei Nacht warm, weil die Sonne sich ihnen nähert, ß. Nathan geht noch weiter. Im Sommer ist die Luft warm und das Quellwasser kalt, weil die Sonne hoch zu stehen kommt; im Winter aber steht sie am Rande des Himmels, darum ist die Luft kalt und das Wasser warm3). Aus alldem ergibt sich, daß man sich den Himmel nicht anders als eine Wölbung vorstellen konnte. Dieselbe Debatte führen R. Eleazar und R. Jehoschua. Die Welt — lehrt R. Eleazar — gleicht einer Exedra (nach einer Seite hin nicht geschlossenen Halle), deren Nordseite nicht begrenzt ist. Daher muß die Sonne, wenn sie an der nordwestlichen Seite angelangt ist, ihre Bahn umbiegen und über dem Firmament dieselbe fortsetzen, um am Morgen wieder im Osten aufzugehen. Nach Jehoschua hingegen gleicht die Welt hinein von allen Seiten umgrenzten Gemache und die Sonne kann ihren Lauf auch an der Nordseite fortsetzen, die Rückseite der Himmelswölbung umkreisend4). Nach der Weltanschauung der Vogulen ist der Himmel wie ein umgedrehter Kessel gewölbt und die Erde flach wie ein Spindelrad. Der Himmel berührt mit seinem Saume die Erde und den Durchgang von der Erde in den Himmel bewacht ein Alter mit seiner Frau5). Eingehend befaßten sich mit der Frage die Kirchenväter, deren Meinungen aber nicht übereinstimmen. Basilius der Große (330—379) und Johannes Philoponos, der alexandrinische Grammatiker kennen einen kugelförmigen Himmel, der um seine eigene Axe rotiert. Da auch die Erde kugelförmig ist — worin sie Aristoteles folgen — so kann der Himmel nur von sphärischer Gestalt sein, da er die Erde umgibt und diese in allen Punkten gleich weit entfernt von ihm ist. Auch Thaies von Milet meinte, der Himmel 1) Jalk. Jes. 513. Das bereits erwähnte trajn nasn läßt die Sonne am Abend im di-nur-Flusse baden lld. Vielleicht wird auch -nai re»n nzi Lev. 22, das mai in diesem Sinne auf die Sonne bezogen. Low, Ges. Sehr. I 245. 2) 11. 7,421; 8,485; 18,239. Od. 3,1; 9,558. 3) Pesach 94a. 4) B. bathra 25b. Über ntsdsn s. Krauß, Talm Archaeol. I 27,52 und Noten 343, 675. Aus der bereits erwähnten Stelle Hiob 3718 folgert R. Achi im Namen Ii Chaninas, daß der Himmel ähnlich einer Wölbung geschaffen wurde. Unter nspnw sind, wie wir sehen werden, auch Himmel zu verstehen, ■dm pi»y \nv und ist eine Platte, aber gewölbt. Lew s. v. j. Ber. I 2C6,. 5j Munkacsi, Ethnographia 1909, II 92.