Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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- 19 — werden mit der Konstruktion des Eies erklärt. Der unterste Teil, das Gelbe, entspricht der Erde, darüber ist das Weiße dem Wasser entsprechend, dies umgibt die dünne Haut, der Luftkreis und darüber dehnt sich die Eierschale aus, wie auch der Himmel über der Luft schwebt. Stellt man sich ein halbes Ei vor, so findet man erklärlich, daß die Mythe das Universum aus der Hälfte eines Eies entstehen läßt1). Ueber die Schöpfung des Himmels herrschen bei verschiedenen Völkern verschiedene Vorstellungen. Im babylonischen Mythos teilt Bei (Marduk) den Leib der Tiamat (Weib) in zwei Teile und aus der einen Hälfte macht er das Himmelsdach (Monatschr. 1905, 258). Nach einer indischen Sage spritzte die Schildkröte Wasser in die Höhe und davon entstand der Himmel2). Die Mohammedaner glauben, ein Wind habe sich entfesselt, der das Wasser aufwirbelte, so daß Wellen, Regen und Dunst entstanden. Gott ließ den Schaum sich verdichten, woraus er die Erde machte, aus den Wellen die Berge und aus dem Dunst den Himmel3). In einer anderen Mythe mischt Gott Wasser und Erde und teilt die Mischung in zwei Teile. Aus einem bildet er den Himmel, aus dem anderen Erde, Menschen und Tiere4). Hymir schaffe den Himmel sogar aus seinem Schädel5). Homer nennt den Okeanos den Anfang aller Dinge, d. i. das Urflüssige. Demnach muß Himmel und Erde aus ihm entsprungen sein6). Der griechische Mythos betrachtet den Himmel (Oupavo^) als Gatten der Erde, d. h. die die Erde mit Wärme und Nässe durchdringende Zeugungskraft des Himmels, durch welche die schöpferischen Kräfte der Erde erregt werden. Kronos ist der reifende, zeitigende, vollendende Himmelsgott und Zeus der lichte Himmel, Gott alles himmlischen Segens und aller himmlischen Herrschaft7). Gestalt. Zu Gen. 155: „Er führte ihn hinaus" tradiert R. Juda im Namen R. Jochanans: Er hob ihn über das Gewölbe des Himmels, hat zwei Eigenschaften; eine, die seine Form aufrecht hält, das ist das Feuer, die zweite formlose ist das Wasser. Das. VI 7. Siehe auch: Haemunah haramah 1. 2. v) Den Anfang aller Dinge bildete die Zeit, die selbst keinen Anfang hat (Moreh II 30). Darauf entsteht das Chaos, ein tiefer Abgrund, in welchem Nacht und Nebel brüten und der feurige Aether, das Prinzip aller Beseelung und Gestalt. Die Zeit bewirkt, daß die Nebel des Chaos bei rotierender Bewegung sich zum Ei bilden, indem sie sich um den Kern des Aethers legen, bis die heftig schwingende Bewegung zuletzt das Ei reift, so daß es in zwei Hälften zerplatzt. Aus diesem entstehen Himmel und Erde. Preller, Griech. Mythol. 42. Dähnhardt, Natursagen III 19. 2) Dähnhardt a. a. 0. 18. 3) Das. 19. 4) Das, 32. 5) Grimm, Dt. Mythol. 4,464, bei Dähnhardt a. a. 0. 111. 6) II. 3 201, 302, 246. 7) Preller, a. a. 0. 43. Wie aus allem Angeführten hervorgeht, kehrt überall das Wasser als Motiv der Himmelsschöpfung wieder.