Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 16 - Wasser bezeichnet wird, nicht mit dem anderen als Gattung bezeichneten Wasser zu verwechseln1). Das Wasser über dem Firmament — sagt Juda ha Levi — haben die Philosophen nicht begriffen, daher auch nicht anerkannt. Vielleicht kann darunter die Atmosphäre (mpD ITC) verstanden sein, arabisch Samharir, wohin die Wolken gelangen. „Und der Geist Gottes schwebte auf der Oberfläche des Wassersdas ist der Urstoff, qualitätslos. öde und wüst (tohu vaböhu), bis er durch den göttlichen Willen, der ihn umfing, Qualität erhielt und Geist Gottes genannt wurde. Die Bezeichnung „ Wasser" für den Urstoff ist auch ein passender, denn eiu dichterer Stoff als Wasser ist nicht geeignet für eine Einwirkung auf alle Teile der Natur2). Abraham Ibn Daud aus Toledo leugnet überhaupt die Existenz der oberen Wasser. Wenn Ps. 1484 vom Wasser über dem Himmel die Eede ist, so ist dies folgendermaßen zu verstehen: Wenn man den Himmel und die Elemente in aufsteigender Ordnung (TÖVü "SC) betrachtet, so findet man unten die Körper und die Erde, darüber Wasser, höher den Luftkreis, über diesen das Feuer und am höchsten die neun Sphären; denkt man sich sie aber absteigend, so kommt die Erde am höchsten zu liegen und über dem Himmel das Wasser. Der Satz: Gott machte die Ausdehnung und unterschied usw. (Gen. 17) will sagen, daß die Himmel die Seiten nach oben und nach unten begrenzten, daher das Wasser bald oben, bald unten scheint und „es werde eine Ausdehnung mitten im Wasser" bedeutet so viel, als stünde: es werde eine Ausdehnung, in deren Mitte das Wasser ist und das Umfassende wird als das Umfaßte genannt3). Stoff. Ueber den Stoff, aus dem der Himmel geschaffen wurde, gibt uns die heilige Schrift nicht die geringste Andeutung, man will aber darauf aus dem Namen folgern. R. Joße b. Chanina will den Namen C^CIP aus „dort ist Wasser" erklären, weil sich nämlich die eine Hälfte des Urwassers über dem Himmel befindet* aber mit Recht folgt darauf eine andere Erklärung aus der Barajthar das obere Wasser sei in solcher Entfernung vom Himmel, wie der Himmel von der Erde und hänge bloß am Worte Gottes (Cftn *!CNE2). Daher wird die allgemeinere Ansicht angenommen, daß Gott Feuer (fc'tf) und Wasser miteinander mischte und daraus *■) Moreh II 30. Unter y*pi werden auch die Wolken verstanden, ßesch Lakisch lehrt: Wenn sich das Wasser zu Wolken verdichtet und kein Regen herabfällt, gleichen sie einer greisenden Frau, die nicht gebärt, denn der Ausdruck „verschließen" (ixy) wird ebenso bei der Frau (Gen. 2018), wie beim Himmel (Deut. 1117) angewendet. Jalk. Jesaj. 48B. Taan 8a hat D»BtM statt y*pi. 2) Kuzari IV 25. mpn ins bedeutet nach Cassel runde Wölbung oder gewölbte Kugel, nach Hirschfeld: Atmosphäre. J. Esra zu Ps. 1043 i*uon insa soll nach Cassel mit identisch sein. Daß J. Esra Prov. 2715 vorgeschwebt, ist zweifellos. 3) nein fi:i£Nn 92. 8. Bacher, Bibelexegese der jüd. Religionsphilos. des¬ Mittelalters 153.