Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 13 hineininterpretiert wurde, läßt sich, kaum entscheiden, da ähnliche Vorstellungen bei verschiedenen Völkern ebenso unabhängig voneinander entstehen, wie durch Wanderung verpflanzt werden können. Abraham Geiger hält die Anschauung von sieben Himmeln für jüdisches Produkt. Als älteste Quelle kann der babylonische Talmud angeführt werden, doch finden wir auch bei den Babyioniern eine ähnliche Vorstellung. Jedenfalls muß hervorgehoben werden, daß es kein Gebiet in der jüdischen Literatur gibt, wohin diese Vorstellung nicht gedrungen wäre, ein Beweis, daß man ihn schon in alter Zeit mit Vorliebe behandelte. Das ganze Material zu sammeln war unmöglich und auch nicht nötig. Es genügt, wenn wir einen Ueberblick nach allen Eichtungen hin gewinnen und sehen, wie man Dinge, die man nicht fassen konnte, aus der heiligen Schrift zu erklären suchte, und wie man das Schriftwort in den Dienst der Mystik zwang. Zeit der Himmelsschöpfung. Das Haus Schammaj lehrt, der Himmel sei vor der Erde geschaffen, die Schule Hilleis dagegen läßt die Erde früher geschaffen sein. Beide Parteien führen Argumente pro et contra an, bis die Gelehrten entscheiden: beide seien zu gleicher Zeit entstanden, ßesch Lakisch kann sich mit diesem Ausgleiche nicht zufrieden geben, da doch die heilige Schrift einmal dem Himmel, ein andermal der Erde den Vorrang gibt. Daher läßt er bei der Schöpfung zuerst den Himmel entstehen, bei der Ausdehnung aber früher die Erde1). R. Akiba fühlt sich aus exegetischem Grunde gezwungen, dem Himmel das Vorrecht zu geben2). Unter den zehn Fragen, welche Alexander der Große an die Alten des Südens richtete, findet sich auch unsere und diese antworten lakonisch: Der erste Vers der heiligen Schrift beweist, daß der Himmel zuerst geschaffen wurde3). Es läßt sich sogar mit Bestimmtheit 1) Chag. 12a. Jochanan sagt im Namen der Gelehrten dasselbe in anderen Worten: noip pxn ^safti ifcip z^v numh auch R. Tanchuma behauptet dasselbe, nur hat er statt bfcvb: rp»»ya, Tanch. Buber 8b. R. Simon b. Jochaj wundert sich, wie man überhaupt in bezug auf diese Frage Zweifel hegen könne, da beide zu gleicher Zeit entstanden wie der Toj^f und sein Deckel n*»?D2i csibtcD. Gen. r. 1,15. Midr. Samuel 5. Jalk. z. St. Lev. r. 86,1. j. Chag. II 77ceg Pirke R. El. 18. Gen. r. Theodor 18. j. Chag. 77^. wfo. Wenn R. Jochanan an anderer Stelle sagt, daß Himmel und Erde am ersten Tage erschaffen wurden (Tanch. Gen. Anf.), so widerspricht er sich nicht, da in diesem Punkte keine Meinungsverschiedenheit herrscht; es handelt sich bloß darum, ob am ersten Tage der Schöpfung Himmel oder Erde den Vorzug hatte. Jedoch wird die Meinuug Hillels auch so gedeutet, daß die Erde am ersten, der Himmel am zweiten Tage entstand, während Schammaj das Gegenteil behauptet. Gen. r. 12,5. j. Chag. IL 77c. Maimuni läßt Himmel und Erde auf einmal entstehen und beruft sich auf Jes. 4813: Ich habe sie gerufen, sie standen mitsammen da (Moreh II 30, s. Gen. r. 1,15) Ibn Ezra zu Gen. 1,1 stimmt dieser Ansicht nicht bei. 2) Chag. 12». Wenn pari ohne na stünde, wäre es ein Beweis, daß beide zusammen geschaffen wurden. 8) Tamid 32a Jalk. Gen. 4.