Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 15 (1912)
- Issue
- 1 (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 12 — Die Himmel in nachbiblischer Auffassung. Von Adolf liöwinger. Dein Andenken Leopold Löws zur hundertsten Jahreswende seiner Geburt. Die erste Schwierigkeit, auf welche die über den Monotheismus strenge wachenden Exegeten stoßen mußten, war im ersten Verse der heiligen Schrift das Wort CuPN. Die plurale Form schien mehrere Götter vorauszusetzen. Der Agadist R. Simlaj wurde von den Minin oder Epikuräern mit Fragen darüber bestürmt, welche er beantwortete, ohne seine Schüler ganz zu beruhigen1). Abraham Ibn Ezra wußte zwar schon von einem pluralis majestatis, aber den Agadisten war er noch fremd. Schon Onkelos sah sich genötigt, statt CPn^N einen anderen Gottesnamen zu gebrauchen. Dieselbe Vorsicht finden wir auch bei den LXX. Sie übersetzen rvttffrCD SOZ2 CTPN, da man sonst auch rv^N-D für einen Gott halten könnte, der den anderen schuf2). Hier handelt es sich wohl nicht um den Plural, jedoch beweist die Uebersetzung die Sorgfalt, mit welcher man allem Dualismus oder Polytheismus auszuweichen suchte. In der Tat hat die christliche Exegese in der pluralen Form von CVi/N" vielfach einen Beweis für die Trinität gesucht3). Mußte aber R. Simlaj die plurale Form von Elohim mit dem Singular des darauf sich beziehenden Prädikates rechtfertigen, so konnte der Plural oder Dual von unangetastet bleiben4). Die Vorstellung von mehreren Himmeln verstieß nicht gegen den Glauben, sie mußte vielmehr zur Verherrlichung des Schöpfungswerkes gern aufgegriffen werden. Während die verschiedenen Ausdrücke für Gott nur für seine Attribute gelten, werden die Namen des Himmels als Bezeichnungen besonderer Himmel angesehen, von denen jeder einzelne seinen eigenen Beruf hat, einem besondern Zwecke dient. Daß die midnischische Exegese den Gegenstand freudig aufgriff und mit weitschweifender Phantasie ausschmückte, ist natürlich. Ob aber die Vorstellung von mehreren Himmeln jüdisches Produkt ist. weil sie sich im Worte und in den übrigen Ausdrücken für Himmel von selbst darbot, oder aber von anderen Völkern übernommen und dann in die Bibel JS Die Fragen berühren die Stellen: Gen. lt dwk; 12(> ctn ntsy:; Josvia 2222, Ps. 50j □♦rr?N hx; Josua 2419 cutnp dmVk. Diese Stelle erklärt R. Jizchak: Gott ist heilig mit allen Arten der Heiligkeit Tanch. oujnp, j. Berach. IX 137*, Deut. 47 canp d*hVn, das. 523 a»»n 'htt; s. Bacher, Pal. Am. I 556. 2) b. Meg. 9 a, Parallelen bei Buber Tanch. nie» 6a. 3) Güdemann, Erziehungsw. d. J. in Italien 20. Den Plural in I. Sam. 48 erklärt David Kimchi: die Philister, an viele Götter gewöhnt, sagten onns 'hx und o»:Bn 'hx auch von den Juden. Auch Juda Halevi führt den Plural auf die Heiden zurück, Kuzari IY 1. Bacher, Exegese der jüd. Religionsphil. 119. Zu n^r; 'ha I. Sam. 2S1:i bemerkt Tanch. -n&N, es beziehe sich auf Samuel und Moses. 4) Zu o*ißiD inpa wird d*sü angeführt, das als Dual gelesen wird, in Wirklichkeit aber kein Dual ist. Xedar 37i>.