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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 1 (1912) · p. Seite 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
1 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
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— 9 — „An ugeschlagene Hosehanoh" dient zur Bezeichnung einer nichtsnutzigen Sache. In Verbindung mit der Wichtigkeit des Tages von Hoschanah rabba im Volksglauben, steht die Sitte, an ihm spezielle Brotformen zu backen, die in unserer Gegend an eine Leiter erinnern und auch so genannt werden. Auf den Staffeln dieser Leiter steigt der Volksgeist gegen den Himmel empor und holt sich von dort „das gite Quittel", den Zettel, auf dem die Urteils Verkündigung für das nächste Jahr vom himmlischen Gerichtshof ausgestellt ist. In Westrußland gibt man den Broten Handform, um „das Quittel zi chapen (ergreifen)." Da an diesem Tage „geschlagen" wird, kommen zu Mittag auf den Tisch die für solchen Fall vom Volksbrauche vorgeschriebenen Kräplech (Täschchen), mit gehacktem Fleisch gefüllt. Diese Speise gehört außer „zu Hoschanoth-Schlagen zu Humen-Schlagen und Kapures-Schlagen zu Weib-Schlagen". Der Schlußtag des Laubhüttenfestes zeichnet sich durch nichts Besonderes aus. Morgen erinnert der Schammes vor dem Mussaph-Gebet durch lautes Klopfen auf das Bimahpult, daß von jetzt an während des ganzen Winters in das Achtzehn-Gebet die Worte: „Der wehen läßt den Wind und strömen läßt den Kegenguß" eingeschaltet werden sollen. Nach dem Mittagessen werden sehr schmackhafte Krapfen, kleine Kuchen mit Apfelmus gefüllt und in Honig gebacken, serviert. Der Nachmittag dieses Tages gehört aber schon zum Feste der Gesetzesfreude, weshalb bedeutend vor Sonnenuntergang die dieses Fest ausreichende Fröhlichkeit und nach jüdischen Begriffen schrankenlose Ausgelassenheit in Haus und Synagoge einziehen. Als erste Schwalben erscheinen Knaben mit Fahnen in der Hand, auf denen Bilder und Aussprüche, die mit dem Feste des Gesetzesfreude in Verbindung stehen, abgedruckt sind. Vor Jahren konnte man in kleineren Städtchen amüsante Gruppen beobachten, die etwa aus einem Dutzend von einem halbtrunkenen Melawed (Lehrer) geführten Knaben bestanden und die von Haus zu Haus gingen, wobei sie folgendes Lied sangen und von den Frauen mit verschiedenen Leckerbissen beschenkt wurden. Die erste ma'ale, die erste ma'ale is ■nein \?vv cIn Die zweite ma'ale, die zweite ma'ale is •nans nin T-- TT Fort, fort, fort •rnjq rb'ji Doch, doch doch •^mb nrc" TT! T : T usw. die zweite Hoschanoh.

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