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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1912-01-01 · 1 (1912) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
15 (1912)
Issue
1 (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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— 7 Tage vorher, und zwar am Ausgange des Versöhnungstages getroffen, indem da der erste Pfahl für den künftigen, nicht besonders großartigen Bau in die Erde getrieben wird. Die eigentliche Sukkah wird (Erebh Sukkoth) in einer passenden Hofecke aus verschiedenem altem Kram errichtet oder an das Haus angelehnt. Als Decke dient gewöhnlich Schilfrohr. Reiche Leute, die noch Sinn für jüdische Tradition haben und die der helle Schein der modernen Kultur noch nicht ganz geblendet hat, bauen sich im Hause selbst eine ständige Sukkah, die aus einem geräumigen Zimmer besteht, über dem das Dach aufklappbar ist und dessen Decke ein Holzgitter bildet, worauf während des Festes Schilfrohr gelegt wird. Die Armut und die ewige Furcht vor Verfolgung haben dem Juden den Sinn für Schönheit und Komfort geraubt, und so sehen wir auch die Laubütte, 'die doch eigentlich zur Erinnerung an das freie Leben in Feld und Garten mit ihrer Fülle an Obst und Getreide dienen soll, mit keinem Schmuck ausgestattet, obgleich die ganze Festordnung mit der Sukkah, dem Lulabh und dem Ethrog gerade zur passenden Ausschmückung der Räume reizen soll. Steht es doch in der Bibel (Lev. XIII 40): „Am ersten Tage nehmet eine Frucht vom herrlichen Baume, Palmzweige und Zweige von der Myrte und Bachwreiden und freut euch vor dem Herrn, eurem Gott, sieben Tage". Nach einigen talmudischen Stellen zu urteilen, läßt sich sagen, daß das Sukkothfest in damaliger Zeit ein wirkliches Freudenfest von höchstem volkstümlichem Glänze war. Jetzt gehen Geist und Seele gleich leer aus. Wer auf den Schulchan Arukh Wert legt, baut eine nichtssagende ärmliche Laubhütte, wer sich aber von ihm emanzipiert hat, verbringt das Fest lieber in den Geschäftsräumen. Und dennoch könnte man auch jetzt, da der Jude überall wieder etwas freier aufzuatmen beginnt, dieses Fest zu dem schönsten Familienfeste gestalten, das als festhaltendes Band zwischen uns und unseren Kindern zu dienen imstande wäre. Dazu fehlt es aber einstweilen noch an wahren Reformatoren, nicht an die geistlosen, die in der protestantischen Uniform, das ganze Heil des Judentums erblicken. Auf eigenem Boden weiter bauen — muß die Devise lauten. Kehren wir aber zum Laubhüttenfest zurück. Außer der Sukkah dient der Lulabh, der Feststrauß, und der Ethrog, der Paradiesapfel, als Festzeichen. In manchem Hause sind noch kunstvolle Ethrogbehälter aus Edelmetall aus der Urgroßväterzeit anzutreffen. Früher, als der Ethrog noch sehr teuer war, trug ihn der Synagogendiener samt dem Lulabh jeden Morgen von Haus zu Haus, was besonders den Frauen, die die Synagoge seltener als die Männer besuchen, zustatten kam. Für diesen Zweck schaffte die Synagogenverwaltung gewöhnlich einige Ethrogine an und dem Synagogendiener kam für seine Mühe ein kleines Trinkgeld zu. Jetzt erhält man hier die Ethrogim sehr billig, schon für einige Kopeken, und den Lulabh als Gratisbeigabe dazu. Man findet sie deshalb in fast jedem jüdischen Hause, und doch sind die

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