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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 4 (1909) · p. Seite 121

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
4 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 121 (sequence 26)
Language
German
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— 121 — wohnten noch im 15. Jahrhundert Juden. Sie wurden damals oder etwas später vertrieben. Jedenfalls ist die Frage berechtigt,. ob wir nicht Eisak Tyrnaus Heimat in Niederösterreich zu suchen haben. Notizen über Austerlitz. Die hiesige Zuckerfabrik steht auf einem jüdischen Friedhofe, welcher bis etwa 1742 zur Bestattung benützt wurde. Als jedoch Maria Theresia den Staatskanzler Fürsten Wcnzl Kaunitz zum Majoratsherren des Gutes A. machte, mußte dieser Friedhof aufgelassen werden, nach meiner Ansicht deshalb, weil er die südliche Aussicht des Schlosses bildete und man, wie bekannt, vor dem ängstlichen Kanzler alles, was an den Tod mahnen könnte, aus dem Wege schaffen mußte. Die hiesige Gemeinde kümmerte sich nicht mehr darum und wahrte ihr Eigentumsrecht nicht. So wurde im Jahre 1873 von einer bäuerlichen Aktiengesellschaft die Zuckerfabrik erbaut, auch die dort ausgegrabenen Knochen und Grabsteine fanden nicht die Würdigung des damaligen Kultusvorstandes. Als der nachmalige Besitzer, Herr H. Kedlich, eine Raffinerie bauen ließ, wurden abermals Gebeine und Grabsteine1) ausgegraben, von denen zwei ganz waren und folgende Inschrift aufwiesen: rrniwn p"s:>(1720) n2m *"n3n:ra nn^ 'n uv ^"cz -cd: rron rnr: V'^o rp-r und (1723) tjm [rrobiÄ roh-] b"n raia rrcswelche auf den jetzigen Friedhof überführt wurden. Eine Kaddisch-Stiftung eines französischen Offiziers besteht hier nicht. Bekannt ist mir jedoch, daß nach der Schlacht 1805 ein französischer Offizier, der dem General Eapp zugeteilt und in einem Zimmer des linksseitigen Schloßtraktes einquartiert war, den damaligen Eabbiner E. Jakob aus Gleiwitz bat, ihm 10 Leute (Minjan) ins Schloß zu schicken, da er Jahrzeit habe. Er empfing diese Leute sehr freundlich, hat selbst die Lichter angezündet und Kaddisch gesagt. Er soll klein von Statur und schmächtig gewesen sein. Hierüber berichtete ich ausführlicher in der „Österr. Wochenschrift" vom 15. Dezember 1905. Darüber, daß A. „weiße Stadt" hieß, hier im Mittelalter eine Judengemeinde bestand, die heutige Bucowitzer Gasse eine Judengasse war, kenne ich keine archivalischen Quellen. Juden, wie Christen, behaupteten es, jedoch mag sich diese Behauptung auf x) [Solchen Denkmälern auf österreichischem Boden (wie auch in Friesach [vgl. über Juden in F.: Aronius, Regesten Nr. 427], Eggenburg usw.) sollte endlich die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet werden. D. Red.]

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