Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 4 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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- Znojmo 1× ep/1046086
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— 120 — (über Brünn vgl. Israel Brünn, Graetz VIII. 274, Weiß. 1. c. V. p. 253, über Znaim: Besp. R. Israel Brünn, Nr. 193,195,196 an Jakob '"^r, geschr. Znojmo, nach der böhmischen Aussprache vgl. Weiß. 1. c. V. p. 255, ferner meine Bemerkungen in „Zeitschrift für hebr. Bibliographie", Bd. X. p. 164), aber die Entfernung dieser Städte von dem vermeintlichen Aufenthaltsorte des Verfassers macht es unverständlich, weshalb wir den Aufenthaltsort Eisaks so weit suchen sollen. Diese Schwierigkeit darf nicht übersehen werden. Wir müssen daher Tyrnau ganz anderswo suchen. Es muß in der Nähe dieser Städte liegen, in der Nähe von Znaim oder Brünn. Tatsächlich gibt es an der mährischen und niederösterreichischen Landesgrenze einen kleinen Ort Tyrnau, wo wahrscheinlich um diese Zeit, wie in all den kleinen Dörfern der benachbarten Bezirke, Juden gewohnt haben und eine jüdische Gemeinde bestand. Vielleicht findet sich in den Archivalien irgend ein Anhaltspunkt für diese Vermutung. Bei der Erwähnung Eisak Tyrnaus denkt der Literarhistoriker nicht nur an seine Minhagim, sondern auch an eine „schöne Geschichte", den Boman einer Rabbinerstochter (Graetz, VIII. 13). Die Liebe eines Erzherzogs zu Hanna, Tochter des Eabbiners Eisak, soll die Veranlassung zur Vertreibung der Juden aus Tyrnau gebildet haben. 1420 soll dies gewesen sein. Aus dem 15. Jahrhundert hören wir aber nichts von Judenverfolgungen in Ungarn. Hingegen wurden im Jahre 1529 in Bösing (Bazin, s. Kohn, Geschichte p. 165» Stein, Magyar Rabbik, II. p. 109 und Wetstein. 'bromn I. p. 164) und Preßburg 1591 solche veranstaltet. („Eine schreckliche neue Zeitung, so sich im 1591. Jar zu Pressburg in Ungern zugetragen, wie daselbst etliche Juden zwei consecrierte Ostien überkommen, damit einen schendlichen Missbrauch und Gotteslesterung geübt, aber hefftig von Gott gestrafft worden allen fromen Christen zu einer Warnung, vgl. G. Liebe, Das Judenthum. Abb. 17). Eine Elegie (bei Saalfeld: Martyrologium, Berlin 1898, p. 334) beklagt den Tod des R. Jona b. Saul, dieser wird wohl mit obiger Tat im Zusammenhange stehen, denn dort ist ebenfalls von Hostienschändung die Rede. Wahrscheinlich gehören die Verfolgungen in Tyrnau derselben Zeit an und nicht dem 15. Jahrhundert. Die Erzählung ist in hebräischer, jüd.-deutscher und arabischer Sprache erhalten (vgl. Steinschneider: Gesehichtsliteratur p. 70). Die Elegie über die jm Jahre 1451 von Josia ben Chajjim wird wohl auch über Verfolgungen in Niederösterreich berichtet(cf. Steinschneider, 1. c. p. 70). Die Bulle Pauls III. vom 12. Mai 1540 gibt als Stätten der Gerichtsverhandlungen für falsche Anklagen gegen Juden die oppida de Tirna, libsis und budinis an. Libsis will L. Geiger (Allgem. Zeit, des Judentums 1901. p. 34) mit Lippa, Tirna mit Tyrnau (unter Hinweis auf Strack, Das Blut p. 133 ff.) und Budinis entweder mit Ofen-Buda 1525 oder Budweis 1505 identifizieren. Vielleicht haben wir hier drei nicht sehr weit voneinander entfernte Ortschaften vor uns: Tyrnau in Meder- Österreich, Lispitz und Budwitz in Mähren. In der letzten Stadt