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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 4 (1909) · p. Seite 119

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
4 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 119 (sequence 24)
Language
German
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— 119 — Eisak Tyrnau. Von Dr. A. Marmorstein, Skotschau. Eisak Tyrnau war ein Schüler Abraham Klausners und wandelte in den Fußstapfen seines Meisters (s. I. H. Weiß: Geschichte der jüd. Tradition, Band V. p. 246). Schon lange zweifelte ich daran, ob Eisak wirklich der erste jüdische Schriftsteller in Ungarn gewesen ist, ob er wirklich von der bekannten ungarischen kgl. Freistadt seinen Namen hergeleitet hat, ob Ungarn sein Geburtsland oder seine Heimat war. Die verdienstvollen Beiträge des Herrn Dr. M. Grunwald (Öster. Wochenschrift 1907 p. 724) zur Geschichte der Juden in Niederösterreich veranlaßen mich, meine Untersuchungen hier zu veröffentlichen, vielleicht werden sie zur Erforschung der Wahrheit etwas beitragen. Leopold Low hielt E. T. für den ersten bekannten rabbinischen Schriftsteller in Ungarn, der sich zuerst des Namens „Hagar", um Ungarn zu bezeichnen, bedient habe (Graphische Requisiten und Erzeugnisse bei den Juden S. 51. 211. Anm. 217, Der jüd. Kongress in Ungarn, Pest 1871 p. IX). Kohn, der verdienstvolle Historiker der Juden in Ungarn, hat letztere Ansicht zurückgewiesen (Frankels Monatsschrift, 1882 p. 155), obwohl auch er daran festhält, daß Eisak, der erste jüd. Schriftsteller in Ungarn gewesen sei. Worauf stützt sich diese xlnnahme? Vor allem auf seinen Namen „Tyrnau". Ferner gelten die Worte, wie sie in den mir vorliegenden Editionen stehen: „ich beschrieb die synagog. Gebräuche unseres Landes, in Ungarn und Steiermark" p-^1^ ™« ^n:?2)? a]s glaubwürdige Zeugen. Ob alle Handschriften und alten Drucke diese Leseart bestätigen, ist sehr fraglich, und wir wären jedem dankbar, der uns darüber Aufschluß geben könnte. Eisak Tyrnau benutzte doch hauptsächlich die „Minhage Oesterreich" des Abraham Klausner, seines Lehrers, und es wäre sonderbar, daß er diese mit keinem Worte in der Einleitung erwähnt. Man könnte so manche Konjektur vorschlagen, allerdings würde man die Frage noch erschweren. Die Handschriften Michaels (vgl. Or-Hachajjim p. 107) und die Ausgabe Riva di Tarento 319 müssen zur Erledigung und Beantwortung der Frage jedenfalls herangezogen werden. Es ist erwiesen, daß Eisak die niederösterreichischen Hochschulen besucht hat, die Gebräuche der Juden in den österreichischen Erbländern genau kannte, warum erwähnt er sie also nicht in der Einleitung? Ferner muß man sich die Frage vorlegen: Warum geschieht keine Erwähnung irgend einer ungarischen Gemeinde oder irgend eines ungarischen Minhags? All diese Fragen, wie unwahrscheinlich sie auch eine ungarische Heimat Eisaks machen, sind doch nicht imstande, die bisherige landläufige Annahme zu erschüttern. Schwerer wiegt die längst beobachtete Tatsache, daß von lokalen Gebräuchen nur zwei erwähnt werden, u. z. die Brünner und Znaimer Minhagim. Wohl waren beide Gemeinden in jener Zeit angesehen

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