Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 4 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 117 — Melodien aus Galizien und Kußland" heraus. In der Vorrede zu seiner ersten Arbeit nennt Dalman Wolf Ehrenkranz als denjenigen, der im Jahre 1865 mit seinem Makkel No'am den Eeigen der jüdischen Volksdichter neuerer Zeit eröffnete. Dagegen weiß M. Grünbaum, der bekannte Herausgeber der jüdisch - deutsehen Chrestomathie in seinem Buche: Die jüdisch deutsche Literatur in Deutschland, Polen und Amerika, Trier 1894 (Abdruck aus „Winter und Wünsche, Die jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons". Bd. III, S. 531 ff.), von Wölwel kein Sterbenswörtchen zu vermelden. Seinen nichtjüdischen Landsleuten wurde Wölbel erst in den letzten Jahren bekannt. Im ruthenischen Literaturno naukowyj Wistnyk (Jahrg. VIII, Bd. XXXII, Lemberg 1905, S. 87-94) gibt uns der bekannte Gelehrte Iwan Franko eine ruthenische Übersetzung von Wölwels „Meschiachszeiten" und „Der Chussid über das Theater", der er einige Bemerkungen über Wölwels Satiren voranschickt. Nachträge. Nachdem der erste Teil meiner obenerwähnten Abhandlunglängst abgedruckt war, erhielt ich sub dato 7. August 1. J. ein Schreiben vom Neffen meines Helden, Herrn Ingenieur J. Ehrenkranz, Drohobycz, welches mehrere bemerkenswerte Angaben zur Biographie W. Z's enthält. Dieses Schreiben bildet einen Auszug aus den Mitteilungen eines Herrn Dr. Schwarz in Konstantinopel, welcher den totkranken Dichter während seiner letzten Krankheit behandelt hatte. „Von Dr. Schwarz konnte ich soviel erfahren, daß die Bekanntschaft der Frau Malciu mit Wölwel noch aus Bukarest stammt und in den 50 er Jahren des vorigen Jahrhunderts erneuert wurde. Malciu ernährte sich und ihre Kinder, die ihr später beistanden, redlich als Näherin von Weißwäsche sowohl in Bukarest als auch in Konstantinopel. Onkel Wölwel starb an Lungenentzündung — (leider konnte ich noch nicht erfahren, wann?). Die Kosten der Beerdigung und des Grabsteins hat die selige Malciu getragen." „Über die letzten Tage Ihres Onkels", teilt ferner Dr. Schwarz mit, „läßt sich nicht viel schreiben, indem er seit der Erkrankung bis zum traurigen Ausgange sehr selten und auch nur für kurze Zeit bei Bewußtsein war. Wie er selbst mir erzählte, hat er nie im Leben viel gelernt, er sagte mir folgende Worte „ „Ich bin nicht einmal ganz „Tenach" durchgegangen, aber die hebräische Sprache lebte in mir."" Leib Kneper aus Kolomea, wie es heißt, der Verfasser der Grabschrift für Wölwel, lebte viele Jahre in Konstantinopel." Soweit Herr Ingenieur Ehrenkranz. Dr. Salomon Rubin in Krakau, jetzt der einzige Überlebende der großen Haskalaepoche, erzählte mir April 1905 folgendes Detail über Wölwel: Wölwel trieb sich in seinen letzten Lebensjahren auch viel in Wiener Gasthäusern umher. Einst widmete er dem Kaiser