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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 4 (1909) · p. Seite 113

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
4 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 113 (sequence 18)
Language
German
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— 113 — Totengräber, doch nicht so hochmütig zu sein. Das Hauptverdienst gebühre eigentlich ihm, dem Doktor, der „ohne Messer abschlachte", dessen Feder niemand entrinne. Vom Profit des Totengräbers gebühre ihm also ein erheblicher Teil. Als politischer Satiriker ist Wölwel nur in hebräischer Sprache aufgetreten. Seine jüdisch-deutschen Satiren enthalten nicht mehr, als zwei Anspielungen auf politische Zustände in Eumänien. In dem „Platschiken Meichel" (IV. 66), wo er den Zwiespalt zwischen freiem Willen und Herzensgebot erörtert, meint er: sich vom Herzen freimachen, da kann einer noch ärger werden, „wie a Minister in der Walachei". Wie wilde Chajes1), wie die Bären, Is men ühii a Harz'frei, Ün men könn noch arger weren, Wie a Minister in der Walachei. Dem Verstand wer es hot gern, Hot doch Zures viel derbei, Ün ahn Verstand könn men wem A Fürst amühl in Wallachei. Dagegen ist W öl weis hebräisch geschriebene politische Satire „Komanie" (Wien, Abdruck aus dem „Haschachar" 1874) eine der gewaltigsten, von mächtiger, heiliger Entrüstung getragenen hebräischen Dichtungen aller Zeiten. Schon der Titel spricht genau den Inhalt aus: „Das ist das Buch der Geschichte Eumäniens zu ewiger Schmach und immerwährendem Abscheu der schändliehen Nation, dem verdorbenen Volke, dem hartnäckigen und törichten, dem Volke, das Gesetz und Ordnung zerstört, dem Volke, das Wissenschaft und Zucht haßt, dem Volke, das weder Gottesfurcht in seinem Herzen hegt noch Menschenliebe, dem verächtlichen und hassenswerten Volke, dem zuchtlosen. Die Schmach der Moldau und Walachei, bis zum letzten Geschlechte wird sie bestehen und ihre Schande wird ewig währen.*4 Das ganze, elf Gesänge zählende Poem ist denn auch ein einziger, gellender Entrüstungsschrei. Die Sonne erscheint düster und traurig vor dem Thron des Herrn und klagt, sie müsse ihre goldenen Strahlen über das Eäubervolk leuchten lassen. Die Eumänen sind eia^ergelaufenes Gesindel, das in läppischer Nachahmungssucht „Natiol? 'spielen will. Sie begehen Kaub und Mord ohne Nutzen und Zweck, bloß aus kindischer Lust am Bösen. Sie sind der Ausschuß aller Völker. Aus einer Umarmung von Satan und Lilith entstand Rumänien. Das Schandgebilde irrte aber nach vollendeter Schöpfung stumm einher, ohne menschlichen Laut von sich zu geben, bloß durch Knurren und Zeichen zu erkennen gebend, daß es stumm sei. Da erbarmten sich seiner die Sprachen: Breite deine Schürze aus und deinem Wunsche soll gewillfahrt werden. Und da breitete die Stumme Hebr. wilde Tiere. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXIX. Jahrg. 1909. Heft 4. 8

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