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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 4 (1909) · p. Seite 110

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
4 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 110 (sequence 15)
Language
German
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— 110 — Sugen die Chassidim: Nein, nein! Rebbe, die Sach loßt gur gein! Wuren es weißt doch a jeder güt, As frümm gewesen is er nit! Die Berufung auf den S'chüs der Thora, welche aus der Klaus der Sadagörer ihren Weg in die Welt genommen, hat die Glosse zur Folge: Sugen die Chassidim: Nein, nein! Rebbe, die Sach loßt gur gein. Wurn es weißt doch a jeder güt, As kein Thoire kennt ihr nit! Auch die Berufung auf das ununterbrochene, deutliche, in Tränen zerfließende Beten hat kein schmeichelhafteres Echo zur Folge: Sugen die Chassidim: Nein, nein! Rebbe die Sach loßt gur gein Wurn es weißt a jeder güt, As dawnen dawnet ihr nit. Dasselbe Los trifft auch schließlich die Berufung auf die Wohltätigkeit des Sadagörer Hofes, der zufolge die Armen hungrig ankommen und satt davon gehen. Sugen die Chassidim: Nein, nein! Rebbe, die Sach loßt gur gein! Wurn es weißt a jeder güt As kein Zduke1) git ihr nit. Der faustische Anlauf des Reb Beriniu hatte traurig geendet. Das wirkte ernüchternd auf manchen seiner Anhänger, welcher es dem Eebben nachgetan hatte und zu den Maskilim übergegangen war. Im letzten Gedichte des Makel-chowlim: Der „Bal-tschüwo", der Bekehrte, schildert uns Wölwel die Eückkehr eines solchen verlorenen Sohnes, die natürlich nicht infolge eines inneren Umschwunges, sondern infolge mancher, mit dem neuen Leben verbundenen Unbequemlichkeit vor sich ging. Der Bal-tschüwo hält einen großen, ausführlichen Monolog, in welchem er sein früheres, mit der G-esamtheit der Brüderschaft verbundenes Leben mit der jetzigen ihn umgebenden Einsamkeit vergleicht und uns im Laufe des Vergleiches ein farbiges Bild vom Treiben des Eabbi gewinnen läßt. Das chassidische Leben, meint der Bekehrte, ist das bequemste auf der Welt, man könne darauf lossündigen, die Zugehörigkeit zur heiligen Brüderschaft, die Firma des Eabbi verdecke alles. Das bischen Beten, Brummen, Hin- und Herspringen ist nicht so schwer. Mit „Thilim2) sagen" und „Misehnajos lernen" geben die Sadagörer Chassidim sich nicht ab. Das einem als Verdienst angerechnete „Tikkun3) trinken" ist schon gar keine Arbeit. Am x) Hebr. Almosen. — 2) hebr. Psalmen lesen. — 3) hebr. Schnaps trinken am Todestage für das Heil der Seele des Verstorbenen.

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