Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 4 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- 108 — denen wir das Milieu kennen lernen, in welchem der Held sich bewegt. Die Vorrede — Kol-Kore — feiert den mutigen Rabbi, daß er als unerschrockener Held in den Kampf für Wahrheit gegen die von Volksverführern gezüchtete Lüge aufgetreten sei und ihnen „die Larve des Eechtes und der Demut" vom Gesichte gerissen habe, obgleich es seine eigenen Brüder waren. Er habe sich dadurch an die Spitze aller Wahrheitsfreunde gestellt. Die erste Satire, der Monolog „Dem Eebbins Schiguen1)" klärt uns in eigentümlichen, das Auf- und Abwogen der mannigfaltigsten Gefühle malenden ßythmen über die inneren Motive auf, welche den stolzen Dynasten bewogen haben, von seiner Sonnenhöhe hinabzusteigen. Sein Leben habe für ihn keinen Wert, weil sein väterliches Vermögen nicht ehrlich erworben sei, sondern betrügerischen Manipulationen entspringe. Er empfinde es wohl als Sünde, den eigenen Vater anzuklagen, er müsse aber die Wahrheit, die wie Höllenbrand an seinem Herzen zehre, offenbaren. Man wolle ihn zum Verrückten stempeln. Sein ganzer Wahnsinn aber sei nur die Liebe zur Wahrheit und zum Volke. Er beneide den ärmsten Lastträger, welcher ehrlich sein Brot verdiene. Wären es wenigstens nur die Reichen, welche das Geld hergeben. Aber nein, es sind gerade die Ärmsten, von welchen das Rieseneinkommen der Wundertäter stamme. Der nebbich verkoift vün dem Wab a Kleid Ün der nebbech verkoift dem Talles2) Ün loift in Schnei ün Regen Ün mit a groiße Kawune3) Ün brengt sein Vermögen Dem Rabbi a Matune4) — Überhaupt seien Egoismus und Herzlosigkeit die Hauptkennzeichen der Sadagörer Dynasten. Hoben sei Rachmunes5) Auf Menschen in der größter Noit? Jesoimim ün Almunes6) — Giben sei den a Stückel Broit? Wer es hot lieb zü nehmen hot fand zü geben — Er wolle also nach Gottes Plan als Gottesgeißel ihre sämtlichen Praktiken aufdecken. Auf die Beichte des Helden folgen die Wehklagen der durch die Ketzerei des Eabbi verwaisten und betrübten Chassidim — „Die Sadagörer Chassidims Kinis". Selbstverständlich stellen sie sich das betrübsame Ereignis von einem anderen Standpunkte aus vor, als ihr abtrünniger Meister. Der Klagechor der Sadagörer Chassidim beginnt mit der Aufforderung, schwarze Trauerkleider anzulegen, auf Bart und Locken sich Asche zu streuen und Klagen anzustimmen über die Gottesstrafe — den Wahnsinn —, der über den x) hebr. Wahnsinn. — 2) Hebr. Gebetmantel. — 8) hebr. Andacht. — 4) hebr. Geschenk. — 5) hebr. Erbarmen. — 6) hebr. Waisen und Witwen.