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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 54

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
2 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 54 (sequence 22)
Language
German
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— 54 — füllten einen Raum, der Wohn-, Schlaf- und Kochstube zugleich und der kaum vier Ellen lang und breit war. Der Mann spielte Geige, die Frau schlug ein mit Glöckchen behangenes Tamburin, ein Knabe marterte eine Klarinette, daß sie die grellsten Schreie tat und die übrigen Kinder sangen zuweilen einen lang gedehnten Vers mit näselndem Tone dazwischen. Als wir eintraten, verstummte plötzlich die Musik. Der arme Musikant verleugnete die Gastfreundschaft nicht und goss aus einer verbogenen Blechkanne, die in einer Ecke der Stube auf Kohlen stand, für uns Kaffee ein. ... Ich fragte den Mann ob er einige neue Lieder wisse? „Du bist zu einem Könige an Liederreichtum gekommen". Wir lächelten zu der stolz spanischen Antwort und forderten ihn auf zu singen. Er sang ein eben erst bekannt gewordenes Lied von einen unbekannten Verfasser auf die Juden der Gegenwart, wie sie im Gegensatz zu den Alten, die hochgepriesen werden, so wenig fromm und gottesfürchtig sind und wie Tansimat und Hat Humajum nur dazu dienen, sie abtrünnig und gottlos zu machen4(Text und Melodie des in spanisch-jüdischer Mundart verfaßten Liedes gibt Frankl dort wieder.) Auch jüdische Tänzerinnen fanden sieh früher in der Türkei vor. So berichtet Cornelis de Bruyn, der dort 1676—93 reiste: „Ce sont des Danseuses publiques, qui vont par tout, ou on les demande, et ce sont ordinairement des Juives, des Armeniennes, ou bien des Esclaves Chretiennes. II y a aussi de jeunes gargons Juifs, qui s'en melent quelque fois, et qui s'habillent en fcmmes."1) In großer Anzahl scheint es früher, an der Wende des 17. Jahrhunderts, auch in Egypten jüdische Musikanten gegeben zu haben.-) Hierauf deutet wenigstens ein dieser Zeit angehörendes Kupfer3) hin, welches einen Juden und eine Jüden aus Kairo zeigt, welch ersterer als Musikant dargestellt ist, mit der Beischrift: On l'a represente dans cette attitude pour faire voir tout (Tun tems quels sont les Instrumens dont Iis se servent dans les ocasions de rejouissances. Celui ci n'a que trois cordes et il se touche avec un archet comme un violon. Le corps de l'instrument est d'un bois noir et les chevilles dont on tend les cordes sont d'ivoire; le son en est passable". Später aber trieben, wie Frankl4) sagt, die egyptischen Juden „nur wenig Musik und Gesang", die Ausübung dieser Kunst, wie die des Tanzes ganz dem Stamme der Ghawazi überlassend. Der gelehrte Beobachter Lane behauptet jedoch, daß die egyptische Musik ein Schudt, IV. Anhang S. 4. 2) In Egypten, Palästina und Damaskus durften nur jüd. Mus. bei jüd. Hochzeiten aufspielen, vgl. Abrahams, Jew. life 198. Nach arab. Berichten wurden die Juden auf Blasinstrumenten in die Synagoge und zu Versammlungen berufen, vgl. Monatschr., 1871, S. 307. Uber Musik bei einer jüd. Beschneidung in Konstantinopel 1571 s. Schudt II, 2, S. 295. [Von jüd. Volksinusikern und Sängerinnen in Saloniki gibt es Ansichtskarten. Ebenso von poln. Musikanten und Marschaliks in Krakau. Vgl. auch das Bild Jüd. Musikanten in einem poln. Dorftheater von Thad. v. Bybkowski in: Die Kunst in Oest.-Ung. (hrg. von Lauser) II. Jahrg. S. 111.] [*) In Wolfs Sammlung, jetzt in der Bibl. d. jüd. Gem. Berlin.] *) Aus Egypten, Wien 1860, S. 329.

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