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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 53

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
2 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 53 (sequence 21)
Language
German
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— 53 — Und wenn er Gott durch eine Kniebeugung (p^V) verehrte, so stemmte er sich mit seinen beiden Daumen auf den Boden} bückte sich, küßte den Estrich und richtete sich so wieder grad auf, was ihm niemand nachmachen konnte. Levi machte es zwar auf dieselbe Weise vor Rabbi, wurde aber hinkend davon. Er produzierte sich auch vor Rabbi, dem Nasi, um ihn in seiner Krankheit aufzuheitern, indem mit acht Messern hin- und herging (wahrscheinlich tanzend); Samuel ebenso vor König Sabur mit acht vollen Weingläsern, ohne einen Tropfen zu verschütten; und Äbbaih vor Raba ebenso mit acht Eiern1)/4 (Jüd. Volksbl. 1854, Nr. 2). Die jüdischen Musikanten in der Türkei werden übrigens nicht bloß, wie oben bereits berichtet wurde, bei Freudenfesten benützt, sondern auch bei ernsten Anlässen, wie bei Sehn dt2) zu lesen ist: „die zu handeln keine Gelegenheit oder Mittel haben, nehmen allerhand vor, sogar, daß sich auch einige bey Christlichen Leichen zu musiciren und Trauer-singen bestellen lassen, wie dann Monconys in seiner Reiß-Beschreibung p. m. 384 bezeugt , daß er selbst zu Galata, gegen Constantinopel über gelegen, den 19. Jun. 1648. einen Griegischen Christen begraben sehen, es ward die Leiche von sehr vielen Personen begleitet; in dem Trauer-Hause aber waren zwar Musicanten und Juden-Sänger, aber auch Weiber, welche weinten". Ueber die Anzahl der dortigen jüdischen Musikanten und Jongleure liegen aus dieser Zeit zwar keine Angaben vor, sie dürfte aber groß gewesen sein, wie wir wohl daraus schließen dürfen, daß L. A. FrankP) im Jahre 1856 in Konstantinopel nicht weniger als 500 solcher jüdischer Musikanten und 10 jüdische Seiltänzer antraf. Glänzend wird die Bezahlung dieser Künstler nicht gewesen sein, wie wir aus der folgenden Schilderung eines Besuches entnehmen können, den Frankl4) in der Behausung eines solchen machte: „Aus einer der Stuben scholl uns wunderliche Musik entgegen. Wir traten ein und befanden uns im Hause einer armen Musikantenfamilie. Ein alter Mann, ein junges Weib, sieben Kinder f1) Wann und wo sich das „Tischrüeken" zum ersten Male im jüdischen Schrifttum findet, ist schwer zu sagen. Der Täufling Fr. Brenz in seiner bekannten Schmähschrift gegen die Juden (Der jüdische Schlangenbalg) erzählt davon S. 4: „Wollen die Juden in ihren Zechen lustig sein oder sonderlich wenn sie Beschneidung halten, so beladen und beschweren sie einen Tisch mit etlichen Centnern schwer und brummen unter einander etliche Teufels Namen je einer dem andern in die Ohren, so fährt alsdann der Tisch in die Höhe, daß er oben anstößt." R. Salomon Ufhausen, der gegen Brenz zu Gunsten der Juden eine Verteidigung schrieb, bestreitet energisch, daß die Juden „Teufelsnamen einander in die Ohren raunen", denn Zauberei und Teufelswerk ist den Juden von Religions wegen verboten und wurde von ihnen nie betrieben. Er sagt dann wörtlich: „So kann bei diesem Tisch Aufgehen kein Teufelswerk TiW12 gebraucht werden, denn wir singen köstliche Lieder, Mismorim, Psalmen dazu als Adon olam und Jigdal." Gr.] 2) a. a. O. IV. 1. S. 142 f. s) Nach Jerusalem. I. S. 195. Ebendas. I. S. 234ff

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