Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 2 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 52 — war dieser verschwunden. Verzweifelt flehte er zu Gott und durchsprengte rufend den Wald nach allen Richtungen, bis er endlich seinen Gebieter fand und mit dem Brote den halb Verhungerten erquickte. Am siebenten Tage endlich wurden die beiden Flüchtigen durch eine Schar Reiter aufgefunden, welche man zur Rettung des Schah ausgesandt hatte. Infolge dieser Treue und Ergebenheit erhob der Schah, sobald er nach Teheran zurückgekommen war, seinen Grünstling Ismael zum ersten Minister des Reiches. Diese hohe Stellung verwaltete er mit größtem Eifer bis zum Tode des Schah. Ohne stolz zn Averden, erinnerte er sich mit Liebe der Seinigen und wurde ein unermüdlicher Beschützer seiner früheren Glaubensbrüder. Als der Schah seinem Ende nahe war, ließ er seinen Sohn zu sich entbieten und empfahl ihm auf dem Sterbebette den Minister Ismael als seinen Freund, treuesten Diener und rechtlichen Ratgeber; er bat den Erben seiner Krone, diesen edlen Diener als solchen zu achten und in seiner Würde zu belassen. Nach dem Tode des Schah versuchten Neid und Mißgunst, den Minister bei dem jungen Gebieter zu verdächtigen und ihn in Ungnade zu stürzen. Ein besonderer Vorfall erhielt ihn jedoch in seiner mächtigen Stellung. Die Stadt Ispahan empörte sich nämlich während des Thronwechsels und der junge Schah beschloß, sie mit einer Kontribution von 100 000 Tumanen zu bestrafen. Zur Beitreibung dieser Summe erwählte er den Minister Ismael und versprach, ihn dafür in seinem Amte zu erhalten. In der Stadt hatte ein Achund einen neuen Aufruhr gegen den Botschafter des Schah veranstaltet, doch Ismael unterdrückte mit einer zahlreichen Armee den Aufstand, zerstörte einen Teil der Stadt, züchtigte die Rebellen und führte seinen schwierigen Auftrag glücklich aus. Doch hatte er bei diesem Eingreifen den Tod seines Vaters und auch des einen seiner Brüder zu beweinen. Der Urheber des Aufstandes war durch die Flucht entkommen. Diese Vorfälle fanden gegen Ende 1850 statt, kurz nachdem ich Ispahan verlassen hatte und während ich mich in Teheran befand. Ismael lebt noch jetzt (1858) am Hofe zu Teheran, seine hohe Stellung bekleidet er indes nicht mehr. In der allgemeinen Achtung und Ehrerbietung, die ihm gezollt wird, findet er den Trost für seinen Fall. Trotzdem bemüht er sich noch immer, die Leiden seiner alten Glaubensgenossen, so viel er mag, zu vermindern. Ich hatte, wie bereits oben mitgeteilt, die Ehre, diesen würdigen Mann persönlich kennen zu lernen, und verdankte seiner Güte Empfehlungen an einflußreiche Männer in Teheran, namentlich an die Mulah Ababi und Jacob, Besitzer eines bedeutenden Juwelengeschäfts." In Jongleurkünsten waren ja die Juden auch schon in talmudischer Zeit nicht ungeübt. „Wird doch im Talmud (Tract. Succah f. 53) von R. Simon ben Gamaliel erzählt, daß er bei dem Feste des Wassersehöpfens acht brennende Fackeln in eine Hand genommen und immer eine um die andere in die Höhe geworfen und wieder aufgefangen habe, ohne daß eine die andere berührte.