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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 50

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
2 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 50 (sequence 18)
Language
German
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— 50 — erhielt sie hierzu von der Behörde keine Erlaubnis. Da fügte es ein besonderer Zufall, daß der Sultan eben an einem jüdischen Gaukler Wohlgefallen fand7 der den Mut hatte, sich vom Großherrn die Herstellung der Synagoge als Gnade zu erbitten. Der Sultan gewährte sie; aber die Vorsteher der Gemeinde, Herr Sabatai Lewi, Herr Chajim Alancua und Herr Baruch Hahoken spotteten des Gauklers, als er ihnen die Nachricht brachte. Da er aber bei Gott dem Herrn schwur, daß er Wahrheit rede, gingen sie zur hohen Pforte und fragten und es wurde ihnen die freudige Kunde, daß sie bauen dürfen. Bald kamen türkische Ingenieure und vermaßen den Kaum, denn die neue Synagoge durfte um keinen Zoll größer oder kleiner als die alte gebaut werden. Die Juden fingen zu bauen an und bauten über den gemessenen Raum hinaus; da erschienen plötzlich an einem Sabbat wieder die Ingenieure, diesmal aber von Soldaten begleitet. Ein schlechtester aller verlorenen Menschen, ein bei der Regierung sich einschmeichelnder Angeber, hatte die Juden, die freilich diesmal im Unrechte waren, verraten. Die Soldaten zerstörten das Gebäude und schleppten die Vorsteher der Gemeinde fort, und warfen sie in einen feuchten, finsteren Kerker. Einige Tage darauf machte der Gaukler dem Sultan wieder seine Künste vor und als er ihn in gute Laune versetzt hatte, erzählte er ihm den traurigen Vorfall. Der Großherr befahl sogleich die Freigebung der Vorsteher und den ungehinderten Bau der Synagoge nach einer Ausdehnung, die ihm die Juden selbst geben wollten. Die Synagoge wurde im Jahre 5586 (=1826) unter Sultan Mahmud eingeweiht. Der Name des Gauklers ist von einem dankbaren Gedächtnisse erhalten worden, er hieß Jusuf di Leon, auch Ukabas genannt, und wird in der Synagoge Ezchajim in der Nacht, die dem Versöhnungstage vorangeht, unter jenen feierlich genannt, die des ewigen Andenkens unter den Menschen würdig gehalten werden." Von einem anderen solchen Gaukler berichtet J. J. Benjamin (H).1) „Bei meiner Anwesenheit in Ispahan hatte ich das Glück, dort den Minister Ismael zu treffen, der ein geborener Jude mit Namen Jekutiel, durch die Fügungen der Vorsehung zu jener hohen Stellung emporgehoben war. Ich hatte die Ehre, mit seinen Brüdern Joseph und Mardochai und seinem Vater Aga Babi mehreremal zum Besuche von ihm angenommen zu werden. Dieser hochgestellte und edle Mann verdient es, daß ich den Leser mit einer kurzen Biographie desselben bekannt mache, die ich nach den Mitteilungen der Seinigen hier wiedergebe, und für deren Richtigkeit ich bürgen kann. Vor ungefähr 30 Jahren wohnte ein armer jüdischer Juwelier Namens Aga Babi in Isphahan. Er hatte drei Söhne, von denen sich der eine, Jekutiel, durch seine Kunst als Tänzer2) auszeichnete. Er ergötzte dadurch die Großen der *) Acht Jahre in Asien und Afrika. Von 1846 bis 1855. II. Aufl. Hannover 1898. S. 186f. 2) Einen Tänzer Isaac s. bei Luc. Wolf a. a. 0. [Über den Tanz-, Musik- und Sprachlehrer Laz. May in Emden c. 1753 vgl. Grunwald, Por-

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