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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 49

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
2 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 49 (sequence 17)
Language
German
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— 49 — Singen, und mußte der Morekentanz auch dabei sein, mit etlichen leichtfertigen und geilhaftigen Gebehrden, fast schändlich anzusehen, die Griechen soffens tapfer aus den Füßen, daß sie nicht darüber fielen."1) Auch andere Keisende, welche die Türkei im 17. Jahrhundert bereisten, wissen von diesen jüdischen Gauklern zu berichten. Schudt gibt (a. a. 0.) diese Berichte folgendermaßen wieder: „Es bedienen sich sonsten durchgehends die Türkischen Kayser, wie aus ihren Lebens-Geschichten zu ersehen, gern der Juden zu allerhand (auch wohl wichtigen Staats-AfFairen) Geschafften, nach dem die Kayser zu etwas Belieben tragen, und die Juden Capacität haben; der Sultan Ibrahim, der sein Leben in Wollüsten, biß ers unter dem Strick geendet, zubracht, ließ sich anno 1648 die Juden allerhand Gauckelspiel machen, wie Monconys gesehen (vid. Reiß-Beschreibung p. 398) und Gerlach Türckischen Tag-Buch f. 253 b. sagt, daß fast täglich etliche Juden mit ihren Instrumenten, Geigen, Tellern u. a. vor dem Kayser spielen, item springen und andere Gauckeleyen oder Narrentheidung treiben, welcher sie darüber gar stattlich mit güldenen Stücken und anderen Sachen begäbe, vid. f. 383, anno dann ohnedem die Juden in der Türckey sich sehr zu solcher Narren-Belustigung, um Geld, brauchen lassen, Deila Vatte P. 1 der Reißbeschreibung f. 45, 51 anzeigt." Weiter fährt dann Schudt in dem oben schon angeführten Bericht de la Croix' fort: „imgleichen daß bei der Vermählung des Mustapha Bassa Mussaip mit des Türkischen Kaysers Tochter, so daselbst gleich nach der Beschneidung gehalten worden, man von einem hohen Turm ein Seil gespannet, von welchem zwey Gauckler, ein Türck und ein Jud, jeder ein Kind auf der Schulter habend, also herunter gefahren, daß sie zu unterschiedenen mahlen 3 Pfeile loß geschossen, welches so wohl abgieng, daß sie der Türckische Kayser reichlich beschenckte, La Croix 1. c. p. 157 seq. Aber da sie es noch mehr wolten thun, trug sich was besonders zu, sie hatten einen Streit unter sich, welcher der erste solte herunter fahren, der Jud gab vor, die Reihe sey an ihm und er auch schon gantz fertig dazu; der Türck prätendirte den Vorgang, in Ansehung seiner Religion, welchen ihm dann der Jud, zu seinem großen Glück, lassen muste, dann der Türck war noch nicht auf die Helffte kommen, so brach das Seil, und er fiel herunter auf einen vorbeygehenden Armenier, der gleich todt blieb, der Seiltäntzer aber brach ein Bein und verlohr etliche Zähne, La Croix 1. c. p. 159 seq." Mancher dieser jüdischen Gaukler erfreute sich der hohen Gunst seines Herrschers, wie L. A. Frankl2) von einem solchen zu berichten weiß: „Uralt ist die Synagoge „Ezchajim" (in Konstantinopel), niemand weiß, wann sie gegründet worden ist Als sie sich bereits in sehr baufälligem Zustande befand und die Gemeinde sie wieder herstellen wollte. *) Flögel, Gesch. d. Hofnarren, S. 80, nach Schweiggers Meisebesch. ans Deutschl. nach Constantinopel u. Jerusalem, S. 222 u. 226. 2) Nach Jerusalem I, S. 201 f. Mitteilungen zur jüd, Volkskunde. Heft XXX. Jahrg. 1909. Heft 2. 4

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