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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 48

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
2 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 48 (sequence 16)
Language
German
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- 48 — zweier polnischen Marschaliks, David und Baruch erzählt Francoim.1) Auch im Orient begegnen uns noch heut Juden in ähnliehen ßollen, wie der des Marschaliks. Jüdische Puppen- und Schattenspieler gab es früher hin und wieder wie anderwärts, so namentlich in der Türkei, wo diese Art Darstellungen jederzeit sehr beliebt waren. Eigentümlicherweise sind jedoch heutigentages, wie Dr. Georg Jacob sagt,'2) die Juden dort wohl noch sehr häufig in diesen Spielen dargestellt, als Schattenspieler selbst aber trifft man sie nicht mehr an, sondern nur noch Türken und Griechen. Daß dies früher aber gerade umgekehrt war, geht aus einer Äußerung Thevenots hervor, der aus dem Jahre 1665 erzählt: „Or ce sont ordinairement des Juifs qui font jouer ces marionettes, et je n'en slj pas veu d'autres. . ."3) So berichtet auch Schudt4) aus de la Croix in den Memoires de l'Empire Othoman, P. 2. Epist. 2, p. 102: „wie anno 1675 bey des Sultans Mahometis IV. ältesten Sohnes Mustapha Beschneidungs-Fest zu Adrianopel baladins Juifs avec des marionettes Jüdische Täntzer mit Puppen von Zelt zu Zelt gegangen und ihre Possenspiele getrieben." Eben so häufig waren aber die Juden in der Türkei auch Musikanten und Jongleure, die hier bei den Hochzeitsfesten — jüdischen sowohl wie auch mohamedanischen und griechischen — die Eolle der Marschaliks übernahmen, doch auch bei anderen Festlichkeiten und in der Öffentlichkeit ihre Künste produzierten. So erzählt Salomon Schweigger, der „mit dem Kaiserlichen Gesandten Herrn Sintzendorf als Gesandtschaftsprediger in Konstantinopel gewesen, die Gebräuche einer griechischen Hochzeit, bei der er selbst zugegen gewesen, und auch einen gedungenen Possenreißer dabei gefunden", folgendermaßen: „Im Jahre 1578 hielt Dominus Theodosius Zygomalas, Protonotarius des Patriarchen zu Konstantinopel, Hochzeit mit Jungfrau Irene Moschini; dazu ward auch ich geladen, denn er mein guter Freund und Bekannter gewesen. — In des Bräutigams Gemach fand ich einen Gaukler, einen Juden, wie sich dann gewöhnlich in dergleichen Werken ihres Gesetzes neben dem Finantz jetziger Zeit üben, der machte den Gästen eine Freud und Ergötzlichkeit mit Feuerausspeien, mit behenden Luftstreichen eines bloßen Säbels, mit Springen und üppigen Gebehrden und Leibesbewegungen; damit waren bei zwei Stunden hingebracht, bis sich indessen die Gäste allgemach versammelten." — Bei dem Hoehzeitsmahl fand sich der Gaukler wieder ein. „Neben dem Essen ging das Gaukelspiel in aller Macht an, wie oben gemeldet, mit Springen, x) Der verwonschene Cantor. In Branns Jüd. Volks- und Hauskalender. 1896. S. 137 ff. 2) Türk. Literaturgesch. in Einzeldarstell. I. Heft, nach MitteiL f. jüd. Volkskunde 1900, S. 102. [S. jetzt Kunos, D. türk. Volksschauspiel Orta Onju S. 28 und 36.] 3) Ebendaselbst. 4) Jüd. Merckw. I, 1, S. 59.

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