Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 2 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2638044-2638058-2638060--0754-2638767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 47 — berüchtigt.1) Zwei seiner üblen Streiche hat der bekannte Frankfurter Lokaldichter Stoltze in einem langen: „Mordje Unglik« überschriebenen Gedicht verewigt, das also beginnt: Mordje Unglik, unnerm Himmel Der berihmte Rindvieh-Täuscher, Der sich ääcli zugleich als keuscher Roßkamm sehr hat aagestrengt; Dem der Rothschild e Paar Schimmel Hat verehrt, zwää alte Krappe, Die er'm dann als junge Rappe Widder dheuer uffgehenkt; Mordje Unglik, den als, schlauer Witzger Kopp un großer Weise Hunnert Anekdote preise Un Geschichte allerhand: Das Gedicht erzählt dann weiter, wie Mord che von einem Bauer einen Wagen mit zwei Kühen erhandelte, mit denen er schnell wegfahr um, wie er sagte, das Geld zu holen, in Wahrheit, aber um nicht wiederzukommen. Der Bauer ließ ihm darauf sagen, daß er ihn andern Tages verklagen würde. Sofort eilt Mord che in ganz abgerissenen Kleidern zu dem Bauer: „Guckt merr aa! wie kann ich blecheV „Haw' ich doch gehat Sehlimassel! „Kih un Wage sin bei Kassel „An dem Milzbrand merr krepirt; Mordche erklärt dem Bauer weiter, daß er vor dem Richter versprechen wolle, Schuld samt Zinsen pünktlich zu zahlen, dass er aber in so abgerissenen Kleidern nicht vor Gericht erscheinen könne und der Bauer ihm dazu bessere Kleider von sich borgen müsse, die er pünktlich zurückliefern würde. Der Bauer läßt sich beschwatzen und staffiert Mordche von Kopf zu Fuß prächtig aus. Als anderen Tages der Bauer bei Gericht seine Sache vorbringt, leugnet Mordche, ihm noch etwas zu schulden, er müsse nicht ganz richtig im Kopfe sein und könne ebensogut behaupten, daß die Kleider, die er, Mordche, trage oder der Stock, den er in der Hand halte, sein, des Bauern, Eigentum seien. „Ja das sin se! mei is Alles!M Krisch der Bauer: „Wamme und Stecke, „Schuh un Beizkapp mit drei Ecke, „West un Hose, — alles mei!" Das mußte dem Richter natürlich die Überzeugung erwecken, daß es bei dem Bauern nicht ganz richtig im Kopfe oder daß er betrunken sei, und so schickte er ihn mit Schimpf und Schande nach Hause. Einen anderen, etwas glimpflicheren Schelmenstreich *) G. W. Pfeiffer, Die Brunnenfahrt. Frankfurt a. M. 1835. S. 61. Friedr. Stoltze, Gedichte in Frankfurter und hochdeutscher Mundart. Frankfurt a. M. 1871. S. 249 ff. (Den Hinweis verdanken wir der Güte des Herrn Dr. Freimann.)