Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 2 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 43 — müssen, die Hoffnung gab, ihn zum Samjeden-Könige, welche Stelle allemal ein Hofharr bekleidete, erklären zu lassen. Die feierliche Krönung sollte nach Ankunft von 24 Kennthieren, und so viel Samojedischer Bauern vor sich gehen.4' La Costa scheint dabei nicht einmal der einzige jüdische Hofnarr gewesen zu sein, denn bei Jakob Burekhardt1) lesen wir: „Die Familie Este hatte eine besondere Vorliebe für Narren. Solche begegnen seit 1423, regelmäßiger von 1441 an. Einer der berühmtesten war Scocola, der in den Fresken des Palastes von Schifanoja dargestellt ist (1470), wie es scheint ein getaufter Jude, der sich trotzdem in Geldnöten über die barbari Judei beklagt." Noch länger als in Deutschland, scheinen die Marschaliks in Ungarn das Feld behauptet zu haben, denn noch 1863 berichtet Rosenmeyer2) von dort: „Soll die Freud des (Hoehzeits-) Tages voll sein, so darf der Schalksnarr nicht fehlen, der in radebrechenden Reimen, sowohl in jüdisch-deutscher, als magyarischer Sprache die Gäste während der Mahlzeit zu unterhalten hat/' Dr. Armin Schnitzer3) weiß uns von einem solchen7 dem Marschalik seines Geburtsortes Hunsdorf, namens Berl Baß zu erzählen: „Berl Baß war aber auch der Hochzeitsnarr, „Marschalik" genannt, der seine improvisierten Reime, seine Hochzeitscarmen auf die Braut und Knittelverse auf jeden der einzelnen der Gäste auf seiner Violine begleitete, sowie er überhaupt der Spaßmacher der Gemeinde war. Dazu befähigte ihn ganz außerordentlich sein kautschukartiges Gesicht, mit dem er gar possierliche Grimassen schnitt. Besonders am Purim ließ er sein Licht leuchten; er hatte jedesmal einen neuen originellen Einfall beim „Verstellen" (Maskieren). Ich erinnere mich an einen lustigen Streich, den er einst am Purim ausführte. Einige Tage früher hatte er der Gemeinde bekannt gegeben, daß er am Purim nachmittags 2 Uhr als Moses da^ Meer spalten werde. Auf dem Hauptplatze hatte sich zur bestimmten Stunde jung und alt eingefunden, gewärtig der Dinge, die da kommen sollten. Da kam Berl Baß, als Moses verkleidet, wie er auf den alten Gebetbüchern abgebildet ist. Gravitätisch schritt er einher, eine lange, den Mosesstab imitierende Stange in der Hand, und kam an die recht große Pfütze, die auf dem Hauptplatze wie ein See sich ausdehnte und nur im Hochsommer eintrocknete, damals aber durch den geschmolzenen Schnee eine ansehnliche Breite und Tiefe erlangt hatte. Einen langen Bibelspruch rezitierend, teilte er mit kräftigem Schlage die Pfütze, und die schmutzige, schlammige Flut bedeckte alle Umstehenden vom Kopf bis zum Fuß. Ein Glück war es, daß man in Hunsdorf an dem Satze festhielt: „Purim ist kein Jomtov" („Purim ist kein Festtag") und die 4) Die Kultur d. Renaissance in Italien, IX. von Geiger bearb. Aufl. I. S. 343. [Über Jokl Hofnarr beim Fürsten Dietrichstein s. Mitteil, zur jüd. Volkskunde. XXL S. 35.] 5) Jüd. Volksblatt 1863. Nr. 16. 6) Jüd. Kulturbilder. In „Österr. Wochenschrift". 1904. S. 123ff.