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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 2 (1909) · p. Seite 42

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
2 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 42 (sequence 10)
Language
German
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- 42 — vorigen den Hang haben wolten". Ferner kamen im Zuge „Ein Zwerch in schwartz — Sammet — mit Gold verbrämter schöner Kleidung, so auff einer Geige spielte" und endlich kam auch der Sehndes „Täntzer" Israel, der auf den „14 Ehlen hohen Fahnen" der jüdischen Fleischerzunft saß, von der aus er, nachdem der Zug an die errichtete Ehrenpforte kam, auf diese sprang, um nach Durchschreitung derselben, wieder auf die Fahne hinabzuspringen." Bei dem ebenfalls schon früher erwähnten Prager Festzug des Jahres 1741 aber fanden sich im Zuge „2 jüdische Luft-Springer, die bald auf den Händen gingen, bald bloße Degens an Brust und Augens setzten, auch allerhand Sprünge machten", ferner „2 Juden zu Pferde, von welchen der eine als ein Frauen-Mensch kostbar gekleidet war, und von dem andern allerhand Caressen empfing", weiter „Ein Hochzeit-Narr mit hölzernem Küchen-Zeuge überall behangen und einem hölzernen Topfe statt des Hutes." Diesem folgten: „Ein grün gekleideter Harlequin" und „Etliche Narren, deren einer als eine Kinder-Frau gekleidet, einen alten Mann bei einem Gängel-Bande führete und ihm Pappe ins Maulschmierte, ein anderer aber mit einem falschen Pferde wunderliche Posituren machte.1) Die Bekanntschaft eines weiteren Prager Marschaliks, des im Monat Ab des Jahres 1660 dort geborenen Jakob Kies, Sohn des Marcus (Mardochai), vermittelt uns ein Kupferstich, der uns lebhaft an die von Folkema gestochenen Platten des „Zwergenkabinets" erinnert, und der vermutlich dazu bestimmt war von Eies an Chanuka und Purim an seine Gönner überreicht zu werden, um dagegen von diesen eine Gabe zu empfangen.2) Die Spaße des Ries dürften, nach den am Fuße des Blattes stehenden Versen zu schließen, keine allzuzarten gewesen sein. Seine Stärke aber mögen, wie aus den Darstellungen im Grunde des Blattes hervorzugehen scheint, wohl komische Verkleidungsszenen gewesen sein, die er vermutlich um 1710 in Wien auch dem Hof als „Fürsten-Zeitvertreib" vorführen durfte.3) War dies bei Ries vermutlich nur zeitweilig der Fall, so hat es doch auch veritable jüdische Hofnarren gegeben, wie aus den Worten Flögeis (a. a. 0. S. 413)*) hervorgeht: „Es befand sich auch bei dem Zar (Peter L) ein portugiesischer Jude von Geburt, und vordem Mäkler in Hamburg, Namens La Costa, den er zum Titular-Grafen und lustigen Rath gemacht hatte, und ihm wegen seiner possierlichen Aufführung bei der Alonitzischen Wasserkur im Jahre 1719, wobei er wider Willen eine gute Diät hat halten x) Zeitschrift f. d. Gesch. d. Juden in Deutschland. IV. S. 291. [3) In der Wolfschen Sammlung, jetzt in Berlin.] I3) Der Auktionskatalog der Gebr. Levisson, Amst. März 1907, enthält Nr. 1572: Jacob Rieß, geboren in Prag jetzt aber ... in Wien sich aufhaltend 1710. 4°. G. Valk. ex. Selten. Mit der Unterschrift: Ein Ries dem Nahmen nach, ein Zwerg in seinem Länge, Ein Schalk in Folio in einem kleinen Leib, Der Jüdische Hans Wurst, der Fürsten Zeitvertreib etc. Auch m. 4 zeil. Hebr. Aufschrift. Gr.] 4) Nach Weber, Verändertes Bußland. I. S. 20.

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