Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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— 31 — i > I Schriften pomphaft mit den Worten angekündigt: „eine neue revolutionäre Schrift, die jeder gelesen haben muß, der sich über die Entwickelang des jüdischen Gedankens orientieren will". Nachdem ich aber die Schrift gelesen habe, tut es mir um die darauf verschwendete Zeit herzlich leid. Der Grundgedanke der Schrift ist: die Juden haben viel geleistet, die Menschheit verdankt dem Judentume alles, jetzt befindet sich aber das Judentum in Gefahr, es muß sich selbst wiederfinden, die neue Zeit fordert neue Juden, aber diese neuen Juden sind unsere alten bekannten Juden-Christen. Der Stil des Buches ist seinem Inhalte entsprechend fad-süß und metaphysisch dunkel. Dr. S. Weißenberg. Wengeroff, P., Memoiren einer Großmutter. Mit einem Geleitwort von Dr. G. Karpeles. Bd. 1. Berlin, M. Poppelauer 1907. 200 und VII Seiten. Mk. 3.—, geb. Mk. 4.—. Eines von den Büchern, die man so gern dank der Großmut irgend eines Mäcens in jedes jüdische Haus kostenfrei geliefert sehen möchte. Seit dem Bekanntwerden der Glückel von Hameln hat die jüdische Literatur Ahnliches nicht aufzuweisen. Eine Fülle volkskundlichen Stoffes wird in künstlerischer Gestaltung geboten. Für die Kulturgeschichte des russischen Judentums im 19. Jahrhundert bedeutet das Buch einen Grundstein. Hier fließt ein Quell reinen, unverfälschten, altjüdischen Gemütes. Das Gefühl wird ebenso angeregt, wie der Verstand beschäftigt. F. Asch, Seh., Sabbatai Zewi, Tragödie, S. Fischer, Berlin 1908. 124 S. Das alte Problem, wie aus dem Smyrnaer Schwärmer der Schwindler wird, sucht Asch damit zu lösen, daß er in Sarah die Sünde, die irdische Lust dem Gottgeweihten das Bewußtsein seiner Berufung rauben läßt. „Die Sünde ist mir noch geblieben — und mit ihr will ich dem dienen, der jetzt die Macht hat über die Menschen auf dieser Welt." Damit geht er zum Islam über. F. S. Lehmann, Alf., Aberglaube und Zauberei von den ältesten Zeiten an bis in die Gegenwart. Deutsche autorisierte Übersetzung von Petersen. 2. Auflage. Stuttgart 1908. Ferd. Enke. 12 und 665 S- Das bekannte Werk bewährt sich als ein trefflicher Leitfaden durch die ungeheure Welt der Mystik von den Zeiten der Chaldäer bis zum modernsten Okkultismus. Bis auf Kleinigkeiten, z. B. in dem Kapitel über die Kabbala, die jedem Sachkundigen auf den ersten Blick auffallen, ist es im historischen Teil ebenso zuverlässig, wie in der Erklärung der behandelten Phänomene vorsichtig und vorurteilsfrei. Das werden auch jene zugeben müssen, die im Prinzip den Standpunkt des Verfassers nicht teilen. Dem Forscher wie dem Laien bietet das Buch wertvolle Aufschlüsse. M. Meiseis, S., Westöstliche Miszellen. Xenien-Verlag, Leipzig 1908. 144 S. Mk. 2.-. Für die jüdische Volkskunde kommen von diesen Miszellen vor allem die in Betracht, die dem „Jargon" und seiner Literatur gewidmet sind. Doch auch den Ghettoschilderern Elise Orzeszko und Herrn. Heyermans, die je ein Essay behandelt, gehört unser besonderes Interesse. Die Betrachtung „Der Friedensgedanke im Judentum" wirft ein lehrreiches Licht auf die jüdische Volksseele. R. Zangwill, J., Träumer des Ghetto. Deutsche autorisierte Ausgabe durch Dr. H. H. Ewers unter Mitwirkung des Verfassers. Berlin 1908. Siegfried Cronbach. Mk. 8.—, geb. Mk. 10.50. Mit echter Poetenkunst werden interessante jüdische Charakterköpfe der verschiedensten Jahrhunderte von Zangwill in ihrem Kern und Wesen erfaßt und dargestellt. Das römische Ghetto, Uriel Akosta, Sabbatai Zebi, Spinoza, der Baalschem, Sal. Maimon und Moses Mendelssohn, Heine, Lassalle, Disraeli, Herze u. a. m. setzen ein Kaleidoscop zusammen, das uns das Judentum als einen Traum soll erscheinen lassen. Hierin stimmen wir mit