Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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- 29 — besser pointiert, indem dieser es folgendermaßen erzählt: „Ein Kabbiner, der nicht in dem besten Bufe stand, sagte einmal, nachdem alle Welt und er selbst mit an Löwle's Possen sich ergötzt hatte: ,Schad' um den guten Wein im bösen Faß!' — ,Der Wein is gut/ antwortete Löwle, ,un das Faß is auch gut; aber der Kaf (Eeif, aber auch: Eav Kabbiner) is nix nutz6..Übrigens erschienen die Marschaliks durchaus nicht aller Orten bei den Hochzeitszügen im Harlekinsgewande, sondern wie schon früher berichtet, eröffneten sie in anderen Gegenden den Zug in großem Kostüm, in gespreizter Würde den Stock als Zeichen ihrer Marschallwürde tragend. Anschaulich schildert Dr. Armin Schnitzer1) diese Funktion des Marschaliks in einem besonderen Fall: „Zu diesem ,Ausrufen' gehörte besonderer Witz. Die Geschenke bestehen oft aus lächerlich unbedeutenden Gegenständen. Ein oder zwei Eßlöffel aus Packfong, 2 Trinkgläser, ein Paar kleine Messingleuchter, ein Silberzwanziger (68 Heller) gaben einer ganzen Familie das Kecht, am Hochzeitsmahle sich recht gütlich zu tun und noch vom obligaten Fladen für die nächsten Tage Proviant in die Tasche zu stecken; und da wußte ein geschickter Marschalik alle diese Kleinigkeiten in das schönste Licht zu stellen. Gleich einem zweiten Midas, verwandelte sich in seiner Hand alles in Gold. Da schenkte E. Itzig Eosenwasser Choßen Zad (von Seiten des Bräutigams) zwei goldene Leuchter zum Druscheschenk! Choßen Zad, Choßen Zad! Dann kommen die Angehörigen und Freunde der Braut an die Eeihe: Kalle Zad, kalle Zad! — Dieses ,Ausrufen' wurde stets mit mehr oder minder geistreichen Witzen begleitet, und als Piece de resistance folgte ein Geschenk des Marschaliks selbst — ein Paar;Kindbettbriefel4, das ist ein kabbalistischer Schutz gegen ,Lilit4 und andere ähnliche Hexen, die das Kind ,benehmen4, verwechseln oder behexen könnten. Auf dieses Ausrufen folgt lautes Gelächter der Gäste und obligat verschämter Niederschlag der Augen von Seiten der Braut." Auch die beim Mahle aufgetragenen Speisen gaben dem Marschalik wohl Veranlassung zu Scherzen. So warf ein solcher einmal die Frage auf, wer am Sabbath das Garwerden des Schalet im Ofen besorge, die er dann dahin beantwortete, daß es die Engel seien, die am Eoschhaschana (Neujahrsfest) die Schofarstöße protokollierten, was er daraus begründen wollte, daß, wenn das Fest auf einen Sabbath fällt, kein Schofar geblasen wird, weil die Engel dann mit dem Schalet beschäftigt seien.2) *) Bei Schnitzer steht hier „Sarver" (Serveur, Hochzeitskellner), da in seinem besonderen Falle der „Sarver" und der Marschalik, von dem wir noch hören werden, ein und dieselbe Person war. 2) Jüd. Volksblatt. 1861. Nr. 13. Fortsetzung folgt.