Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 28 - der Gemeinde. Als ihn einer seiner vorherigen Nachbarn fragte, warum er den Platz gewechselt, antwortete er lakonisch: „Wer sich mit Gäscht (Lumpen) legt, steht auch mit Gäscht wieder auf und deswegen wechselte ich meinen Platz." Mancher Orten aber erschien der Marschalik auch hoch zu Roß, wie dies Dav. Frankel1) aus Brody meldet. Dort herrschte im Beginn des 19. Jahrhunderts der Brauch, daß am Tage vor der Hochzeit einige hundert festlich gekleideter Mädchen die jüdische Braut am hellen Tage durch die Straßen nach dem Bade führten, und „daß diesen Zug gewöhnlich ein Possenreißer zu Pferde eröffnet, der mit dem Gesicht rückwärts zum Schweife des Pferdes gewendet auf demselben sitzt und durch die elendesten Possen sein liebes Publikum unterhält." Trotzdem Frankel weiter auch die ganze Hochzeitsfeier beschreibt, erwähnt er ein weiteres Agieren des Marschaliks nicht. Einiges über das Verhalten der Marschaliks während des Hochzeitszuges erfahren wir durch Fr. von Klöden, der, wie bereits berichtet wurde, einem solchen in Märkisch-Friedland im Jahre 1800 beiwohnte. „Zuerst" sagt (a. a. 0.) v. Klöden, „kamen die Musiker. Vor ihnen aber sprang ein gemieteter Spaßmacher, den man besonders von auswärts verschrieben hatte, ein junger Jude, der in einer Harlekinskleidung mit schwarzer Halbmaske steckte, eine Pritsche in der Hand trug und sie fleißig gebrauchte. Er gaukelte hin und her, sprang auf die am Wege stehenden alten Mütterchen zu und suchte die Kreischenden zu umarmen und zu küssen; kurz er bemühte sich durch Späße Lachen zu erregen, was ihm auch wohl gelang. Den Musikern folgte der Bräutigam, geführt von seinen männlichen Anverwandten. Hieran schlössen sich die männlichen Hochzeitsgäste und so zog man nach dem freien Platze vor der Synagoge, wo ein Baldachin an vier Stangen gehalten wurde, unter welchem der „Chosen" Platz nahm, umgeben von seinen Verwandten, welche von dem übrigen Gefolge umschlossen wurden. Der Harlekin und die Musiker gingen nach dem Hochzeitshause zurück, und nun bildete sich in ganz gleicher Art ein zweiter aber weiblicher Zug." Nach der Trauung ging man zum Mahle, dem ein bis gegen Morgen währender Tanz folgte. ,,Der Harlekin mußte während der ganzen Zeit Späße machen, die jedoch bald sehr lahmten; denn es ist schwer, lange spaßhaft zu sein. Während des Mahles hatte übrigens der Marschalik am besten Gelegenheit sein Licht leuchten zu lassen, bei Ausrufung der dem Paare gewidmeten Geschenke, „Deraschaschenk" genannt, weil sie überreicht zu werden pflegten, nachdem der Bräutigam eine „Derascha" (Rede) gehalten. 2yc Das hier „einem dieser Marschalleks" zugeschriebene Witzwort gehörte nach Tendlau3) dem früher schon erwähnten Loebele Fürth, den er Löwle Fürth nennt, an und war nach Tendlau's Lesart noch 0 Sulamith. I. 1806. S 237. 2) Abraham a. a. 0. S. 198. 8) Jüd. Kulturbilder. In Österr. Wochenschrift. 1904. S. 123 ff.