Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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— 27 — Gesicht kommt, GOTT zu danken. So hat auch Eabbi Henoch einen närrischen Menschen gelobt, der aus Polen gebürtig war, und sich R. Salomon nennete, weil er von GOTT zu dem Ende erschaffen wäre, daß er die Leute lustig machen solt; weswegen ein sehr reicher Jud, mit Namen Eising, zu seiner Kurzweil diesem Menschen ein Narren Kleid machen lassen." Das ist alles, was Kirchner meldet; bei Beschreibung der Hochzeitsfeier aber erwähnt er die Marschaliks mit keinem Worte. Muß es schon Befremden erregen, daß Flögel und Kirchner so wenig über die Marschaliks zu sagen wußten, so ist es, wie dies schon Römer- Büchner (a. a. 0.) bemerkte, doch noch viel auffälliger, daß Schudt, der ja die Hochzeitsfeier bei den Frankfurter Juden seiner Zeit ausführlich beschreibt, dabei der ( Marschaliks nicht mit einem Worte gedenkt. Daß es zu Schudts Zeiten in Frankfurt keine solchen gegeben haben sollte, ist aber trotzdem nicht anzunehmen, zumal ja Römer-Büchner (a. a. 0.) über einen, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Frankfurt lebte, zu berichten weiß: „Zu Ende des vorigen (18.) Jahrhunderts war zu Frankfurt keine bedeutende Judenhochzeit, keine Familienfeier der Beschneidung, bei welcher der Narr Mose von Bodenheim (Bockenheim?) gefehlt hätte; derselbe starb vor etwa 50 Jahren (also ca. 1814), und Enkel desselben sind als die Kunstreiter und Seiltänzer Gärtner in Deutschland rühmlichst bekannt geworden. Nicht allein für Frankfurt, sondern für die ganze Umgegend von Hessen und Nassau war der Narr Mose als Lustigmacher von der Judenschaft bestimmt." Sein Nachfolger war der um 1841 gestorbene Mordche Gewinner in Homburg, der unter dem Namen Mordche Unglück in der ganzen Gegend, in Frankfurt, Mainz, Darmstadt usw. kekannt und trotz manchen bösen Streiches auch beliebt war. L. Lehmann1) sagt von ihm: „Sein Tod (der damals in der Didaskalia ausführlich gemeldet ward) erfolgte an einem Tage, den er sich hierfür immer gewünscht. Er sagte nämlich stets: ,wenn ich mir meinen Todestag bestellen oder wählen könnte, so würde es der Trauertag der Zerstörung von Jerusalem sein, da geht es bei uns untereinander zu, und da es oben im Himmel auch so zugehen soll, so schlüpf ich schnell hinein.' Der Wunsch ward erfüllt, er starb an einem solchen Tage, ob er aber in den Himmel hineingekommen, darüber fehlen die näheren glaubwürdigen Berichte. Lange nach seinem Tode sah man seine Figur in Marzipan und Gyps dargestellt, darunter die Worte seines ironisch gehaltenen Wahlspruch: ,Nur ehrlich!'..." Von diesem Mordche Unglück erzählt Lehmann2) noch ein weiteres Scherzwort. „Einmal am Jomkippur (Versöhnungsfest) ginsr Mordche von seinem Platz weg, gerade als man die Aboda (Niederwerfung) tun wollte, und stellte sich neben die Parnassim (Gemeindevorsteher), die Reichsten *) Jüd. Volksblatt. 1856. Nr. 8. 2) Jüd. Volksblatt. 1862. Nr. 3.