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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 1 (1909) · p. Seite 25

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
1 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 25 (sequence 28)
Language
German
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- 25 — übertrug ihm eine Drosche (Predigt), um ihn dadurch festzubannen, aber alles half nichts, der Rabbi bestand anf seiner Abreise. Da waren denn der Parnas, seine Kollegen und das Bethdin untröstlich, die ganze Gemeinde betrübt, daß sie nicht gewürdigt worden sei, länger die Herberge des fremden Eabbiners zu sein. Da schlug sich denn Löbele (in schwierigen Zeiten, wo man seiner Hilfe benötigt war, auch mit dem Ehrentitel Reb Löb angeredet) ins Mittel. Er erbot sich gegen eine ausdrücklich vorher stipulierte Belohnung, die im Falle des Gelingens ohne Weigerung von der heiligen Pflege ausbezahlt werden mußte, den Rabbi aufzuhalten, daß der Rabbi über Schabbes dableiben müsse und begab sich sogleich zur Ausführung. Der Rabbi fuhr am Freitag, unter dem Abschiedsgruß der ganzen Khila weg, und kaum war er eine ganze Stunde weit von der Stadt, als ihm ein Polizei mann in respektgebietender Kleidung und Haltung sich in den Weg stellte, dem Kutscher zu halten gebot. „Haben's Paß?" fragte der Diener der Obrigkeit den Rabbi. „Haben's Paß?" erwiderte er. „ich brauche keinen Paß, ich bin der Rabbi von N., wozu sollte ich einen Paß nötig haben?" „Dann bedaure ich, Sie nicht passieren lassen zu können. Sie müssen mit mir zurück nach Fürth." Alles Bitten und Schelten half nichts. Der Rabbi mußte wieder umkehren und wurde zuerst zum Bürgermeister, dann zum Polizeidirektor herumgefahren, welche alle, da sie vom Geniestreich Löbels schon vorher unterrichtet waren und mit ihm unter einer Decke handelten, viele Umstände wegen des Polizeivergehens des gelehrten Herrn, ohne Paß zu reisen, zu machen schienen und ihn hin und her schikanierten. Endlich als es schon Freitag Abend, nahe der Sabbathstunde war, und Löbele auf die Uhr gesehen hatte, daß von einer Rückreise keine Eede mehr sein könne, erklärte er, daß der Plackereien des armen Eabbi nun genug seien, und die Polizei entließ den geängsteten Mann ohne Paß. Löbele fuhr mit ihm zum Parnaß wieder vor, wo man anscheinend über seine Rückkehr sehr erstaunt war..." Löbele war übrigens von Beruf Setzer, bezw. Pressenzieher in Fürth.1) Wenn aus dem eben Erzählten doch hervorzugehen scheint, daß die Marschaliks über den Kreis der jüdischen Gemeinden hinaus auch dem christlichen Publikum nicht ganz unbekannt geblieben sind, so muß es befremden, daß Flögel, der sich doch mit dem Studium ähnlicher Dinge so überaus viel beschäftigte, über die Marschaliks nichts weiter zu sagen wußte als: „Auch die Juden pflegen noch jetzt (1789) bei ihren Hochzeiten in Schlesien gemeiniglich ein Paar Narren zur Belustigung der Gäste zu dingen; wie mir ein guter Freund erzählt hat. Diese Narren kleiden sich in lächerliche Tracht, verspotten einander in Knittelversen, springen über Tisch und Bänke, und einer reitet auch wohl auf dem anderen."2) So lustig demnach sich auch diese schlesischen *) Gef. Mitteilung des Herrn Dr. A. Freimann. 2) Gesch. der Hofharren. Liegnitz und Leipzig. 1789. S. 413.

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