Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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— 24 — identisch mit dem Fürther „Lustigmacher Löbel", von dem Börner-Büchner1) berichtet Eömer - Büchner, der eine sehr gute Meinung von den Marschaliks hat, will diese nicht mit den Harlequins bei den Aufzügen der Handwerker und Schützenkönige verwechselt sehen, „denn" sagt er, „durch ihren ächten Witz und ihre belustigenden Einfälle, konnten jene dem sächsischen Hofpoeten und Lustigmacher, Professor Taubmann, öfter gleichgestellt werden." „Aus vielen Beispielen" führt er nur eines von dem genannten Löbel an, der bei einer Hochzeit ein Eätsel aufgab und für das Nichterraten einen Gulden als Strafe setzte. „Keiner der Gäste konnte das Rätsel lösen, und jeder zahlte die Strafe; als er selbst es nun auflösen sollte, erklärte er sich gleichfalls unfähig, aber gleichfalls auch zur Strafe verpflichtet, welche er sogleich erlegte, sodann aber sämtliche Strafgelder einem armen Juden übergab, welcher Tags vorher den reichen Gästen vergeblich seine Not geklagt hatte." Freilich wird Löbel, — in Franken und Schwaben als das Löbele Fürth bekannt, — von anderer Seite weniger günstig beurteilt,2) da „ihm nichts heilig war, wenn es galt, einen geistreichen Gedanken, einen Geniestreich, ein Phantasiestück seiner Manier vom Stapel laufen zu lassen. Keine Autorität wurde geschont, der hoehwürdige Eabbi seiner eigenen Gemeinde so wenig, wie die höchste jüdische Magistratsperson seiner Zeit; der Gemeinde-Parnas, der sich einmal brüstete, er sei von ihm noch nie angeranzt worden. Da mußte der Bürgermeister eine Verordnung, eine Gesera ergehen lassen, die der Parnas nicht hintertreiben konnte. Er begab sich in die Wohnung des vielvermögenden Possenreißers, der gerade auf Eiern saß, um sie auszubrüten. ,Löb Du mußt fnniö (Fürsprecher) beim Päuked (Bürgermeister) werden, daß die Gesera botel (die unheilvolle Verordnung zurückgenommen) wird'. Der Harlekin der Fürther Hochschulgemeinde aber erklärte, nur dann beim hochweisen Bürgermeister ein Fürwort einlegen zu können, wenn der Parnas einstweilen die Eier ausbrütete. Was wollte dieser tun, nolens volens setzte er sich, der wohlmeinende Vorsteher, dem das Wohl seiner Gemeinde über alles, selbst über Spott und Harlikinade ging, in Gottes Namen nieder und brütete und brütete. Löbele schmunzelte in sich hinein, ging fort, führte den Bürgermeister herbei, zeigte ihm den Parnas der Juden auf den Eiern sitzend — und die Gesera war botel — alsobald hob der Bürgermeister die, auf Anstiften Löbel's ergangene Verordnung auf..." „Ein anderes Mal kam ein fremder großer Eaf (Eabbiner) in die heilige Stadt Fürth auf Besuch. Man lud ihn ein, über Sabbath da zu bleiben, da es eine Schand sei für die Khila (Gemeinde), daß der Eabbi nicht über Sabbath dableibe. Man x) Die Lustigmaeher bei den Hochzeiten der Juden. 2) Jiid. Volksblatt. 1855. Nr. 31. [Über ihn und andere Prager Schalksnarren s. Jeschurun (Königsberger) II 1902: S. Kohn, Der Chochom und der Narr].