Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2638044-2638058-2638059--0729-2638741- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 23 - Takkanot vom Jahre 1728 bei Hochzeiten, wenn er mit seinen Gesellen aufwartete, nicht mehr als drei Spielleute genommen werden durften, sonst aber vier. Würfel (a. a. 0. S. 141) bemerkt hierzu: „An eitlen Scherz und übrigen Weesen, darf es bei den Gasteryetn der Juden nicht fehlen. Music, Tanzen und thörichte Possen müssen zur Belustigung der Gäste dienen. Wie wenig schickt sich eine solch tolle Freude für ein Volk, daß noch immer von GOTT verstoßen ist. Indessen wollen die Juden jedennoch, solche sündliche Freyheit entschuldigen und in Tr. Talmud Sicea pag. 26 sonderlich Braut und Bräutigam mit den Gästen von Gebet frey sprechen. Was bleibt sodann mehr übrig, als daß sie die Zeit mit Narrenspossen zuzubringen für erlaubt halten. Der hier benannte Low war unter den Fürther Juden, seiner lächerlichen Possen wegen sehr bekannt und beliebt. Er war ein Sohn E. Sanvel, Dajan. Er hatte eine Tochter, die mit ihm Oompagnie machte, wann er da oder dort seine Aufwartung machen mußte. Diese hieß Vögelein. Diesem Vögelein gefiel ihres Vaters Lebensart nicht; sie änderte ihren Gesang, und flog davon! Die Juden glauben, ganze Gesellschaften könnten nicht recht fröhlich seyn, wann nicht dieser Low zugegen wäre- Die Verrichtung eines solchen Mannes wird unter den Juden für ein gutes Werk gehalten, und derjenige macht sich bey GOTT angenehm, der Braut und Bräutigam mit thörichten Scherzreden zu belustigen sucht. Ein solches Urteil findet man in Tr. Talmud Taanith. E. Beroka fände den Elias auf dem Markt und fragte ihn, wer von den gegenwärtigen Leuten seelig würde? Er wieß ihn 2 Männer, die gewohnt waren, allerley Scherze zu treiben. Diese Fabel mag den schon benannten Spiel Löwen auch im Sinne gelegen seyn. Als er auf seinen Sterbbetten lag und eylen sollte, seine Seele zu erretten, so trieb er noch Possen. Ehe er krank worden, so ist Freidel, die Köchin auf den Jüdischen Hochzeiten und Gastereyen in der Mitte Januarii 1754 gestorben. Bald darauf befiel ihn eine Krankheit; wie er nun merkte, daft sein Ende nicht mehr weit, so sagte er spottweiß: Es muß eine große Hochzeit im Himmel vorseyn, weil, nachdem die Köchin abgeholet worden, auch der Spiel Low erscheinen muß . . Von einem anderen Fürther Marschalik lebt, wie Haenle1) schreibt, gleichfalls noch eine Anekdote im Gedächtnis der Fürther, die einen Beleg dafür gibt, daß diese Lustigmacher eine Ehre darin gesucht zu haben scheinen, in ihrem Gewerbe, d. h. mit einem Witzwort, zu sterben. Als er den herannahenden Tod fühlend, von Bekannten besucht wurde, meinte er: „Die Sache stünde noch nicht so schlimm, denn er würde dem Tode ein Schnippchen schlagen. Er habe seine Nachtkappe zu seinen Füßen gelegt, und wenn da der Würgeengel komme und ihn am Kopf zu haben glaube, weil da die Nachtkappe liege, würde er schnell die Füße wegziehen und ihn täuschen." Vielleicht ist dieser ungenannte Marschalik *) Gesch. d. Juden in Ansbach. Ansbach. 1867. S. 176.