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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 1 (1909) · p. Seite 22

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
1 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 22 (sequence 25)
Language
German
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— 22 — schon früh im 13. Jahrhundert von K. Elijah b. Isaac von Carcassonne (Assufot S. 97 c)1). Der Name „Marschalik" (Marschalk, ältere Form für Marschall) dürfte wohl daher rühren, daß diese Possenreißer bei den Hochzeitszügen in großem Kostüm mit einem Stock in der Hand, wie die Festmarschälle erschienen.2) Vielleicht liegt dem aber auch ein Wortspiel (Schalksnarr, Narrschalk, Marschalk), in dem ja diese Marschaliks groß waren, zugrunde. Die Marschaliks sollten aber nicht bloß komisches und musikalisches Talent besitzen, sondern sie mußten auch in rabbinischem Wissen gut beschlagen sein, da stets am beliebtesten Schwanke waren, die sich auf gewisse Bibelverse oder Talmudstellen aufbauten. Mit einer solchen Profanation waren freilich die Rabbiner nicht einverstanden. Sie eiferten daher häufig gegen diese Spötter, aber man kehrte sich an ihr Eifern ebensowenig, wie sich das christliche Volk um die Verordnungen der Magistrate gegen „heidnische Tobung des Faschings" kümmerte. Ja diese unverbesserlichen Witzbolde, vor deren Waffen niemand sicher war, scheuten sogar manchmal nicht davor zurück, den Pfeil ihres Witzes gegen die Eabbiner zu richten. Mußten ja selbst Braut und Bräutigam an ihrem Hochzeitstage ihnen dann und wann als Zielscheibe ihres Witzes dienen, wenn die Marschaliks auch im allgemeinen gegen die Braut galant zu sein pflegten und, eingedenk der Worte Hillels: „jede Braut ist schön", ihre Schönheit und Tugenden priesen.3) Ihr Wesen trieben sie hauptsächlich bei Gemeinde- und Familienfesten, Hochzeiten, Beschneidungen, Verlobungen und ähnliche Veranlassungen boten ihnen Gelegenheiten genug, ihren Witz und ihre Einfälle zur Geltung zu bringen. Noch gibt es einzelne Lieder, holprige, gereimte und ungereimte Gassenhauer, die von Mund zu Mund gingen. Wer kennt nicht das Chanuckalied, da da anfängt: Moaus, zur Jeschuosi, ich hab' kein Geld, was tu' ich hie? Geh ein Stückle weiter, begegnet mir ein Reiter, der Reiter will mich schlagen usw. So gab es schnurrige, freilich oft Sitte und Anstand verletzende Hochzeitslieder oder Reime, die damals das Zwerchfell der Zuhörer erschütterten, dem heutigen Geschmack aber durchaus widerstreben würden.4) Werden, wie wir eben gesehen haben, die Lezim auch schon im 13. Jahrhundert erwähnt, so erfahren wir Näheres über einzelne von ihnen doch erst aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Der erste Marschalik, von dem wir Genaueres hören, ist der Low in Fürth, von dem wir oben schon gehört, daß nach den Fürther 2) Berliner a. a. 0. S. 57. M Siehe die Tafel bei Bodenschatz a. a. 0. Vergl. auch Grimm, S. 1674. 8) Abrahams, Jew. Life in the Middle Ages S. 198. Jew.Encycl. II. S. 427. 4) Jüd. Volksblatt. 1855. Nr. 31.

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