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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 1 (1909) · p. Seite 21

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
1 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 21 (sequence 24)
Language
German
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— 21 - Ehre. Unser jovialer Kronprinz gestattete eine sofortige Probe. Von Piece zu Piece steigerte sieh die Heiterkeit des hohen Zuhörers, als aber die „Kempner" das schöne Lied von „Napolium" in ihrem kauderwälschen Deutseh anstimmten und bei dem Befrain: „Mac, Mac, Mac, Mac, Mac Mahon, Fritze kommt und hat ihn schon!" gar auf den vor ihnen stehenden Sieger von Wörth mit den Fingern zeigten, brach der Kronprinz in nicht enden wollendes Gelächter aus. Die „Kempuer" erbaten und erhielten wiederum eine Bescheinigung und zogen von dannen. Die beiden Schriftstücke unter Glas und Eahmen wurden fortan von ihnen auf das Sorgfältigste verwahrt und mit Stolz vorgezeigt. Am Hochzeitstage des Prinzen Wilhelm sendete nun das musikalische Häuflein an den Kronprinzen folgendes Telegramm ab: „Die Kempner jüdische Kapelle, welche 1873 zu Schloß Promnitz die Ehre hatte, vor Ew. kaiserlichen und königliehen Hoheit musikalische und patriotische Gesangsvorträge aufzuführen, erlaubt sich, zur Vermählungsfeier des erlauchten Sohnes untertänigste Glückwünsche darzubringen. 4 i Und der Kronprinz hatte die Bekanntschaft nicht vergessen. Den „Kempnern" ging sofort folgende telegraphische Antwort zu: „Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz lassen der jüdischen Musikkapelle für freundliehen Glückwunsch bestens danken, v. Normann." Die „Kempner" sahen durch diese Depesche ihr Archiv also noch um ein interessantes, sie mit Stolz und Freude erfüllendes Dokument vermehrt." Sind die Klesmorim in Deutschland im Laufe des 19. Jahrhunderts allmählich versehwunden, so ist dies in den Ländern des Ostens keineswegs der gleiche Fall. Dort gibt es auch bis in die neueste Zeit, namentlich in Polen, kaum einen größeren Ort, der sich nicht seiner Klesmorim erfreute. Auch sagt ein Bericht aus Warschau vom Juli 1838: „Die meisten öffentlichen Musikbanden Polens bestehen aus Juden; es gibt mehrere Virtuosen unten ihnen." Wie bereits einleitend erwähnt, durften früher neben den Musikanten auch die Possenreißer bei keiner jüdischen Hochzeit fehlen. Man gab ihnen den Namen „Lizon" (Spötter) oder in späterer Zeit und in den östlichen Ländern, aus denen sie ja erst nach Deutschland gekommen waren, „Marschalik" oder auch Badchen (von rrta erheitern, lachen machen). Sie pflegten zu ihren Possen ein musikalisches Instrument, wie Geige, Flöte, Harfe oder dergleichen zu bearbeiten1), und so erklärt es sich leicht, wieso sich der Name „Lezim" hin und wieder auch auf die jüdischen Musikanten übertrug. Dies war z. B. in Frankfurt der Fall, ein Umstand den „auch wohl gelehrte Juden" Schudt nicht zu erklären wußten, während einer es darauf zurückführen wollte, das die Musik der Klesmorim der reine Spott sei gegen die Tempelmusik der Leviten.2) Genannt werden die Lezim!) Berliner a. a. 0. S. 57. 3) Schudt a. a. 0. IV. 2. S. 100 f.

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