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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 1 (1909) · p. Seite 18

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
1 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 18 (sequence 21)
Language
German
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— 18 — Es braucht hierauf aber an dieser Stelle um so weniger näher eingegangen zu werden, als darüber bereits erschöpfende Arbeiten vorliegen.1) Nur beiläufig mögen hier die Namen der beiden jüdischen Musikanten: Griovan Maria und Jacopo Sansecondo genannt werden, von denen ersterer vom Papst Leo X. den Grafentitel und ein Städtchen erhielt. Suchten die fremden Musikanten die Zulassung in Schlesien unter möglichst günstigen Bedingungen zu erlangen, so ging natürlich das Streben der einheimischen im Gegenteil dahin, jenen die Zulassung zu erschweren. So besehwert sich zwischen 1790 und 1799 (Nr. 125. ohne Ort und Datum) David Löbel Fiedler aus Landsberg in einem sehr konfusen Schreiben über die Myslowitzer und Kempner Musikanten, die ihm, der für ganz Ober- und Niederschlesien eine Konzession habe, Musik zu machen, das bißchen Nahrung wegnehmen und doch keine Konzession besitzen. Darum bittet er, ihm den Vorzug zu geben und ihn vor solchen Chikanen zu schützen. Auch möge ihm die Toleranz erlassen werden, da ihm erst jüngst zwei Hochzeiten weggeschnappt worden seien und er nicht bezahlen könne. Die Resolution solle man ihm auf der Nicolaigasse2) bei Lazarus Samuel zustellen. Die Kammer resolvierte darauf: „Gesuch ad acta, da jede Angabe über die Personalien des Bittstellers und über das Toleranzamt, bei dem man Erkundigung einziehen könne, fehlt." Fiedler erneuerte aber seine Beschwerde (Nr. 128. d. d. Landsberg 2. 1. 1800) und behauptet, nebst seinen Kindern d. d. 29. 10. 1792 eine Konzession für ganz Schlesien zum Musikmachen erhalten zu haben. Aber es erwachsen ihm überall Hindernisse. Besonders die Schulrektoren und Kunstpfeifer seien seine Feinde, indem z. B. der Brieger Kunstpfeifer für jeden Tag seines Aufenthalts zu einer Hochzeit daselbst 2 Ggr. per Person, andere aber noch mehr verlangen. Er legt ein Zeugnis des Kreisphysikus Eeimann in Eosenberg über seine Kränklichkeit bei und ersucht um weitere Verhaltungsmaßregeln, indem er seine Bitte wiederholt. In dem beigelegten Zeugnis (Nr. 124. d. d. Breslau 12. 6. 1799) bescheinigt der Kreisphysikus, daß Fiedler mit einem starken Inguinalbruch behaftet sei. Die Kammer verlangt hierauf (Nr. 130. d. d. Breslau 7. 2. 1800) von dem Judenamt zu Eosenberg Bericht, da Fiedlers vorgebliche Konzession nicht bei den Akten liege und er vollständige Abgabenfreiheit verlange. Es geht die Antwort (Nr. 131. d. d. Eosenberg 4. 3. 1800) ein, daß Fiedler nicht 59, sondern nach eigener Angabe erst 53 Jahre alt sei. Seine Schwächlichkeit vermöge man nicht zu beurteilen, doch sei es wahr, daß er nur Musik machen könne. Steuerfreiheit könne erst dann bewilligt werden, wenn Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen sei. Ihn für ganz Schlesien x) Vogelstein u. Rieger, Gesch. d. Juden in Rom s. Ind., und Birnbaum, Jüd. Musiker am Hofe von Mantua von 1542—1620. Im Kalender der öst.-israel. Union. Wien. 1893. S. 213—248. 2) [Wahrscheinlich die Nicolaistraße in Breslau.]

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