Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 17 — Aufenthaltstag 4 Kr. täglich, sondern auch für jeden Spieltag bei einer Bande von vier Personen 1 Taler, für jede Person mehr noch 6 Ggr. täglich zahlen sollen. Für den Fall der Verteilung einer Bande auf verschiedene Häuser und Orte an einem Tage sei pro Ort und Tag getrennt zu zahlen. Mit der schon berichteten allgemeinen Eegelung der Steuerverhältnisse der in Schlesien befindlichen fremden jüdischen Musikanten durch die Zirkularverfügung der Breslauer Kriegs- und Domänenkammer vom 26. Februar 1753 wurde jedenfalls auch die Angelegenheit des David Hirschel erledigt, die nicht weiter in den Akten vorkommt. Bei dem, wie wir früher gesehen haben, geringen Verdienst der Klesmorim mag die den fremden jüdischen Musikanten so auferlegte Steuer von diesen manchmal als drückend empfunden worden sein, und so versuchten sie manchmal, eine Ermäßigung zu erlangen. So ging bei der Breslauer Kriegs- und Domänenkammer eine Beschwerde (Nr. 57. d. d. Eatibor 28. 2. 1755) von drei aus Teschen stammenden Musikanten ein. Darin beklagen sich Michael Joseph »ro "?n) (rpT -nrrs und die sich als Söhne eines Musikanten bezeichnenden Moyses Abraham arr-öa Tisin. sraa p"fr) und Marcus Moyses Y'"d trora rrs Töwa p"fi), daß sie täglich bei ihrer Anwesenheit in Preußen auf Hochzeiten usw. 4 Ggr. zu zahlen haben, da sie doch bei einer Arbeit von 8 —10 Stunden täglich kaum 12—16 Ggr. verdienen. Darum würden sie sich viel lieber in Eatibor oder Sohrau bei Zahlung eines jährlichen Toleranz-Imposts niederlassen, als eine so hohe Steuer zu zahlen. Sie ersuchen um Erwägung ihrer Bitte. Diese wurde aber nicht erfüllt, sondern die Kammer antwortete (Nr. 58. d. d. Breslau 12. 3. 1755), daß dem Gesuch nicht stattgegeben werden könne. Es waren aber nicht bloß österreichisch - schlesische und polnische jüdische Musikanten, die nach Schlesien kamen, um hier ihre Kunst auszuüben, sondern einmal hören wir, und zwar in verhältnismäßig sehr früher Zeit, auch von jüdischen aus Italien stammenden Musikanten, die nach Schlesien kamen. Biermann1) berichtet, daß im Jahre 1564 drei „welsche Musikanten": Abraham, Angelus und M eis es aus Polen nach Brieg kamen, die sich daselbst als „künstliche Musici und Lautenisten" auszeichneten, und die Herzog Wenzel daher ihrer Geschicklichkeit wegen an Georg von Liegnitz empfahl. Kann aus letzterem Umstand darauf geschlossen werden, daß diese „welsche Musikanten" wohl eine ungleich höhere Stufe auf der Leiter der Kunst eingenommen haben dürften, als die einheimischen Klesmorim, so ist dies durchaus nicht verwunderlich, da ja bei der weitaus günstigeren Lage, in der sich die italienischen Juden den deutschen gegenüber befanden, ihnen auch viel eher Gelegenheit geboten war, in der Musik eine höhere Ausbildung zu erlangen. In der Tat nahmen auch die Juden in Italien in dieser Zeit schon eine hohe Stufe in dieser Kunst ein. *) Teschen. S. 301. Brann, Gesch. d. Juden in Schlesien. III. S. LXVIL