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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1909-01-01 · 1 (1909) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
12 (1909)
Issue
1 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 9 (sequence 12)
Language
German
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_ 9 — welche nicht leicht waren. Herr Ben da versichert aufrichtig, daß er es wohl diesem blinden Manne meistens zu danken hätte, daß er sich, um eines guten Tons auf der Violine mächtig zu werden, Mühe gegeben habe. Wie glücklich ist ihm nicht diese Mühe gelungen!"1) Als Benda nach Verlauf einiger Zeit des Wanderlebens müde ward, bewirkte, wie Mendel2) sagt, es Label selbst, daß er bei dem Prager Violinisten Konicek Unterricht erhielt. „In hohem Alter" aber heißt es bei Mendel, „gedachte er (Benda) noch dankbar des blinden Juden Löbel, der sein Vorbild gewesen und den er als den Begründer seines Lebensglückes ansah. Die Episode mit dem Juden Löbel benutzte die böhmische Schriftstellerin Antonia Melis - Körschner zu einer Künstlernovelle, die übersetzt im Berliner Hausfreund1 unter dem Titel: ,Judith-Marie4 im Jahre 1867 erschien." Lag unter den oben mitgeteilten Berichten auch kein solcher aus Breslau über die bezüglichen dortigen Verhältnisse vor, so wissen wir doch, daß zur fraglichen Zeit auch in Breslau Klesmorim existierten, da uns das angeführte Aktenstück weiterhin mit solchen näher bekannt macht. Zunächst lernen wir einen solchen in dem aus Kempen gebürtigen Moses Isaac kennen, der, wie er zunächst angab (Nr. 61. d. d. Breslau 27. 2. 1769) mit 30 Jahren zu Gelegenheiten nach Breslau kam, oder, wie er später bei der Judenkommission zu Protokoll (Nr. 65 d. d. Breslau 4. 4. 1769) berichtigte, seit 30 Jahren in Breslau war und für die Zeit seines Aufenthaltes 10 Ggr. zahlte. Einen Betrag, den er in Berücksichtigung der für die Musik schlechten Zeiten auf den Tagesgroschen zu ermäßigen bat, gegen dessen Entrichtung man ihm den Aufenthalt gestatten sollte. Auf den, auf Erfordern der Kriegs- und Domänenkammer (Nr. 62. d. d. Breslau 6. 3. 1769) eingelangten Berieht der Judenkommission (Nr. 64. d. d. Breslau 4. 4. 1769), die sein Gesuch befürwortete, wurde dies von der zuerst genannten Behörde genehmigt (Nr. 66. d. d. Breslau 14. 4. 1769). Weiterhin befindet sich bei den Akten eine Abschrift eines Erlasses (Nr. 97. d. d. Breslau 6. 8. 1787) der Kammer an den Musikanten Isaac Moses, der „sub dato 16. 7. 1787" den Antrag gestellt hatte, ihm den Aufenthalt zu gestatten, was ihm bewilligt wurde. Es muß dahingestellt bleiben, ob der Musikant Isaac Moses identisch mit dem genannten Musikanten Moses Isaac war. Ebenso bittet auch der Musikus David Löbel, der, „wie auch schon seine Großeltern, aus Breslau stammte, wo er immer geblieben, (während sein Vater vor Verfolgungen nach Kempen geflüchtet)" unter Berufung auf die sehlechten Zeiten ihn ebenso wie seinen „Camerathen" Alexander Marcus und Moses Isaac statt der 4 Ggr. Gebühr3) täglich nur 1 Ggr. x) Gef. Mitteilung des Herrn Oberkantor Birnbaum. 2) Musikal. Konversationslexikon. I. S. 537. 3) Moses Isaac hatte auch zu ProtokoU berichtigt, daß 8 Ggr. in seiner Eingabe ein Schreibfehler für 4 Ggr. sei. Mitteilungen zur jüd. Volkskunde. Heft XXIX. Jahrg. 1909. Heft 1. 2

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