Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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! — 8 — und Trebnitz bedienten sieb ausschließlieh der Festenberger Kleismorim. Dagegen wurden in Nicolai und in Leobschütz ausschließlich christliche Musikanten verwendet. Gar keine Musikanten wurden in Oels, Ohlau, Namslau, Brieg und Creutzburg gebraucht. In den drei zuletzt genannten Orten waren noch keine Hochzeiten vorgekommen. Von polnischen Klesmorim monopolisierten die Kempner den Ort Wartenberg und die Rogonicoer die Stadt Sohrau. Die Orte Bernstadt und Hundsfeld bedienten sich manchmal der tolerirten schlesischen und manchmal der polnischen Klesmorim. In Gleiwitz wußten die Klesmorim aus Zülz und die aus Hotzenplotz (Österr. Schlesien) den Verdienst von den jüdischen Hochzeiten zu erlangen, doch wurden in der dortigen Gegend, besonders an den Grenzen, auch solche aus Czellocz (Polen) und Eoppitz (Österr. Schlesien) genommen. Solche Konkurrenzstreitigkeiten wegen der Berechtigung des Musizierens bei den jüdischen Hochzeiten kamen aber durchaus nicht bloß zwischen den jüdischen Musikanten vor, sondern sie entstanden manchmal auch an solchen Orten, wo es gar keine Klesmorim gab. So wissen die Batsakten der Stadt Dresden von verschiedenen Streitigkeiten zwischen den Stadtmusicis Chr.Benj.Frenzel (1771-1780) und Joh. Schmiedel (1780-1795) einerseits und den Dresdner Juden andererseits zu melden. Letztere hatten sich bisher bei ihren Festlichkeiten meistens der Militärmusik bedient, weil sie behaupteten, der Stadtmusikus schicke zu ihnen nur Lehrlinge. Frenzel setzte beim Bat durch, daß die Juden, wenn sie bei Hochzeiten und dergleichen von anderen Kapellen spielen ließen, trotzdem an den Stadtmusikus die Gebühren zahlen mußten. Das gab natürlich Anlaß zu fortwährenden Beschwerden und Klagen.1) Wenn es aber in Dresden auch keine jüdische Musikkapelle gegeben hat, so trat doch dort im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts ein christlicher Musiker, der berühmte Violonist Franz Benda in die königl. polnische Kapelle ein, der seine Kunst von einem jüdischen Musikanten erlernt hatte. Hillers „Wöchentliche Nachrichten" (Leipzig. 1766. S. 187) sagen von Benda: „ ... Er begab sich also" (nachdem er Stimme und mit ihr Anstellung und Brot verloren) „in die Gesellschaft einer Musikbande, welche aus lauter Juden bestand. Unter derselben fand sich ein alter blinder Jude, Namens Löbel, welcher nach seiner Art, sehr gut auf der Violine spielte. Er zog einen vortrefflichen Ton aus seinem Instrument; erdachte seine Stücke, die gewiß recht artig waren, selbst, und spielte Tänze bis ins hohe dreygestrichene a mit der größten Beinigkeit. Dieser Mann erregte bei dem Herrn Benda eine heimliche Eifersucht: so daß dieser sich verdoppelte Mühe gab, seine Violine auch gut klingen zu machen, und um jenem in keinem Stücke etwas nachzugeben, auch sich einige Tanzstücke setzte, *) Dresdner Anzeiger, Sonntags-Beilage vom 24. Sept. 1905. S. 158.