Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
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— 6 — Schlesinger und der bekannte ungarische Nationalkomponist Markus Rozsavölgyi, Komponist des Kagoczy-Marsches (1787 bis 1848). Aus ihrer Klesmorimzeit ist nur das wenige bekannt, was Ignaz Eeich in seiner Biographie Schlesingers1) darüber mitteilt: „1810 mußte der Kunstjünger, dem es vollends zur Unmöglichkeit geworden, sich dem väterlichen Willen zu unterwerfen (er sollte Geschäftsmann werden) — das Elternhaus verlassen. Bonyhad war das Ziel, wohin der dürftige Pilger sehnsuchtsvoll seine Schritte förderte. Hier weilte nämlich derzeit eine aus lauter Juden bestehende Musik-Gesellschaft, an deren Spitze der Veteran ,Mordchele Rosenthal4 — später als Schöpfer der ungarischen Nationalmusik rühmlichst bekannte Rozsavölgyi Mark — sich befand. Der ,primas' — so wird nämlich bei den vaterländischen Musik-Kapellen der Vorgeiger betitelt — nahm den verlassenen Jüngling freundlich auf, ernannte ihn zum ,Pfeifer;, mit dem sich die Bande derart ergänzte, daß sie zugleich ,einen religiösen Bund* bildend, zu einem vollständigen ,Minjan' (Versammlung von zehn erwachsenen Männern) sich gestaltete." Klesmorim gibt es übrigens in Ungarn noch in der Gegenwart, und ist Bikszenspann Lajos (Ludwig Bikszenspann) gegenwärtig „Karmester" (Kapellmeister) einer solchen Kiesmorimkapelle.2) Dort sind jüdische Musikanten zuweilen auch Leiter von Zigeunerkapellen, wie gegenwärtig Feher Poldi (Leopold Weiß) „Primas" einer der besten dortigen Zigeunerkapellen ist.3) Als eine ganz besondere Merkwürdigkeit darf es aber gewiß gelten, daß es im Beginn des 18. Jahrhunderts auch eine veritable jüdische Badekapelle gegeben hat, und wiederum ist es Schudt4), dem wir die darauf bezügliche Mitteilung zu danken haben: „Es pflegen alle Morgen (um 1716) in Schwalbach am Brunnen 4 oder 5 Juden-Spielleute mit Geigen zu musiciren, praesentiren dann denen Cur-Gästen einen Teller dar, etwas Geld darauf für ihre Bemühung zu legen, ich meines Orts, so offt sie mir selben präsentiert, habe jederzeit zur Antwort ertheilt, kün£ftigen Sonnabend will ich euch etwas geben, worauff die Antwort, jo, da sind wir nicht da, so kan ich euch nicht helffen, war meine Gegenrede; dann weil es der Schabbes ist, geigen sie nicht, unsern Sonntag aber und die übrigen Tage sind sie da." Waren wir bei den bisher angeführten Klesmorim ausschließlich auf kurze, hier und dort zerstreute, immer nur ganz beiläufig mitgeteilte Notizen angewiesen, so sind wir über die schlesischen Klesmorim viel besser unterrichtet, indem ein im Breslauer Staatsarchiv aufbewahrtes, am 11. Dezember 1750 angelegtes uud bis 6. März 1812 fortgeführtes, den dortigen jüdischen fahrenden Leuten Beth-El, Ehrentempel verd. ungar. Juden. II. Heft 3, S. 217. 2) Gef. Mitteilung des Herrn Dr. Imanuel Low. 3) Dasselbe. 4) A. a. 0. II. S. 159.