Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 12 (1909)
- Issue
- 1 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 5 — Mann nnd das bescheidene Instrument werden Sie unterhalten, werden Sie zur Bewunderung hinreißen. Sehen Sie den Mann, da tritt er heraus; in der National-Tracht seiner polnischen Glaubensgenossen; den schwarzen Talar-ßock angetan, das schwarze Haar in zwei gelockten Peos über beiden Schläfen, das schwarze Schlappel auf dem bedeckten Haupte. Es spricht eine rührende Elegie aus seinen Zügen; und diese Elegie hat der Mann in Musik gesetzt, in Töne umgewandelt, in sonderbare Laute gebracht! Auf Holz und Stroh, aus Holz und Stroh entlockt er Töne, Töne der innigsten Schwermuth, Töne der tiefsten Rührung. Dem Holz und Stroh entringt er Malibransche Passagen und Sonntag'sche Triller! Dem Holz und Stroh weiß er die feinsten Vibrationen, die zartesten Schwingungen, die elegischste Weichheit zu entlocken! Mit welcher Wehmuth klingen seine Nationalklänge aus dem Holz, aus dem Stroh zurück" ♦ .. usw. Gusikow fand einen Nachfolger in Jankel Eben aus Wilna, der sich nach dessen Tod im Jahre 1837 in Tilsit, Königsberg, Elbing und Danzig ebenfalls auf dem Holz- und Strohinstrument hören ließ, das zu spielen er gleichzeitig mit Gusikow erlernt hatte. Dabei spielte er noch mehrere andere Instrumente und komponierte er auch mit Geschmack. Alle Kritiker priesen damals sein außerordentliches Talent und sein schlichtes, bescheidenes Wesen und wünschten nur seinem Instrument einen klangvolleren Ton. M. F—dt. widmete ihm in der Nr. 217 der „Königsberger Zeitung" vom Jahre 1837 das folgende Sonett: Wie einst auf Isaidens Hochgesänge Nationen lauschten in der Andacht Glut, So strömt zu Dir des Volkes bunte Flut Und horcht erstarrt auf Deine Wunderklänge. Glück auf! Dich preiset, staunet an die Menge, Vor Dir verstummt der Neider blasse Wuth. Glück auf! Bescheidner Künstler, fasse Muth! Zieh' fort bezaubernd durch das Weltgedränge. Dich sendet Assafs Muse, fromm zu nähren Den Friedensbund, des Glaubens süßes Pfand; Belebt geringen Stoff in Deiner Hand, Die Götter Weisheit auch durch Dich zu lehren: Nicht auf der Früchte Schale darf man schauen, Auf Geist, auf innern Werth nur darf man bauen.1) Aber Gusikow und Eben waren durchaus nicht die einzigen jüdischen Künstler von Ruf, die sich aus dem Stande der Klesmorim zu höherer Bedeutung aufgeschwungen haben. Diesem Stande gehörten zeitweilig auch an der 1794 geborene Kapellmeister des serbischen Garderegiments mit Hauptmannsrang Josef *) Allgem. Zeit. d. Judenthums. 1837. S. 405.