Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 4 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 149 — hebr. Buchstaben sprechen. 1897 wurden auf dem Terrain zwei Skelette in eisernen Särgen freigelegt, bei dem einen fand sich ein Schlüssel, bei dem anderen eine Schere, wofür S. 18 die zutreffende Erklärung gegeben wird. Auch dieser Friedhof war nach altem Brauch am Wasser angelegt (S. 17). Aus dem 16. Jahrhundert wird eine Judenfamilie „Oschwaldt" (S. 20) und, nach Felix Platter, der jüdische Arzt Joseph genannt, der seiner Zeit im Baseischen eine bedeutende Praxis ausgeübt hat. Die fleissige Arbeit ist eine der „Schriften der Gesellsch. f. d. Gesch. der Israeliten in Elsass-Lothringen". —M.— Georg Hermann, Jettehen Gebert. E. Fleischel, Berlin, 1906. In Form eines köstlichen Romans ein feinabgetöntes Kulturbild, die Buddenbroks im jüdischen Berlin des Vormärz Ueber alten Perücken noch eiu Duft Mendelssohn, ein Vaterhaus im Salongeist der Rahel, doch mit scharfer Wendung gegen die Taufsucht, einem „gewissen Stolz, den unsere Familie hat, dass wir eben als Juden hier angesehen und geachtet sind." Dass die Geberts aller Anfechtung zum Trotz nicht getauft und nicht zu Kreuze gekrochen sind, und in keiner "Weise ihre Gesinnung verkauft haben . . ., das ist unser Stolz und wir wollen auch für die Zukunft nicht gern, dass es in unserer Familie aufgegeben wird". Von David Gans wird, wohl Berliner Tradition, S. 61, erzählt, die Mutter habe kurz nach seiner Taufe ihm zugerufen: „Eli, wackel nicht immer so mit'n Stuhl, du megst hinfallen, und du weisst, dein Kreuz is noch schwach." Ganz in Mor. Oppenheims Genre fehlt auch das Familienbild „der blessierte Freiheitskämpfer von 13/14" (Jason Gebert) nicht. Durch die Schwüle Onkel Dambach'scher Polizeipolitik zucken schon die ersten Blitze revolutionärer Stimmung. Das Ganze ist in prachtvolle Naturschilderung gebettet. Entwertung der Rasse durch Mischung mit östlichem Zuzug — in Salomon Gebert — führt zur Katastrophe im Leben der Titelheldin. Wir erwarten gespannt den versprochenen Schlussband. —M.— Levertin 0. Aus dem Tagebuch eines Herzens und andere Rococonovellen. Uebers. von Francis Maro, Leipzig, Insel-Verlag, 1905. Brosen. Mk. 4,—, geb. 5,—. Levertin, der Wissenschaft wie der Kunst viel zu früh entrissen, plaudert liier in der ganzen farbenfreudig schillernden Pracht seine graziösen Muse. Zu grandiosem Ernst erhebt er sich aber in der prächtigen, meisterhaft verdeutschten Erzählung „Kalonymos". In diesen Rahmen fügt sie nur eine Reise, die den Helden, Kalonymos aus Leuwarden, nach der schwedischen Hauptstadt führt. Er hat sich die Lebensaufgabe gestellt, alle jüdischen Gemeinden zu besuchen, in welchem Lande sie auch liegen mögen. „Ich glaube", erklärt er dem Oberstatthalter Baron Sparre, mit dem ihn sein Stockholmer Wirt, der Hofjuwelier Henoch, zusammenführt, „ich glaube, meinen unterdrückten und unglücklichen Stamm lehren zu können, dass auch für ihn die Zeit des Hasses endlich vorbei ist." Ein Schwärmer, den auch die Liebe der schönen Esther nicht an die Scholle, zu fesseln vermag. Bei Nacht und Nebel zieht er fort. Noch harren sein der Brüder unzählige. Das Buch ist, wie bei dem feinsinnigen Verlag die Regel, geschmackvoll ausgestattet und schon um dieser Nummer willen vom Standpunkt der Volkskunde warm zu empfehlen. —M.— RucL Borehardt veröffentlicht soeben in demselben Verlage: „Das Buch Joram", geh. Mk. 1,—, geb. 2,—. Ein Versuch, eigenes Erlebnis in der Sprache der Bibel zu schildern in der Art, die Richard Huldschiner mit Erfolg anbaut. „In höherem Grade", sagt der Verfasser in einem Nachwort, „als von der English Bible das Englische, so ausschliesslich wie von der Commedia das Italienische, stammt das Deutsch, als Dichtersprache und als Idiom, von Luthers Bibel. Man gewöhne sich daran, sie endlich wieder als das anzusehen, was sie in unserer gesamten älteren Literatur gewesen, als wirkliches Gegenbild des homerischen Tones bei den Griechen , . ,tt —M.—