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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1907-01-01 · 4 (1907) · p. Seite 147

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
Issue
4 (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 147 (sequence 53)
Language
German
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— 147 — kreise abgeleitet, innerhalb dessen die phantastische Idee Baum gewinnen konnte, dass der Jude, da ihm die Gnadenmittel der Kirche, vor allem die aus dem Blute des Gottessohnes strömende Sühnekraft versagt bleibe, durch andere Blutopfer, etwa durch Abschlachtung eines Christenkindes, Gott zu versöhnen sucht. Eine gewichtige Stütze findet diese Erklärung darin, dass das Blutmärchen ein ausschliessliches Privileg der christlichen Länder ist. Tragisch ist es, dass gerade Israel, das die Erlösung der Menschheit von den Greueln der Menschenopfer vollbracht hat, die Ausübung kannibalischer Sitten vorgeworfen wird. S. W. Professor DP. Simon Stern. Tolstoi, Zola und das Judentum. Frankfurt a. M., J. Kauffmann, 1906. 14 S. 8°. Mk. —,50. In anziehender und anregender Weise werden die Lehren der beiden Geistesheroen Tolstoi und Zola und ihre Beziehung zum Judentum geschildert. Nicht der Pessimismus und der Qnietismus Tolstois, sondern der Optimismus und der Arbeitsdrang: Zölas stehen der jüdischen Ethik nahe. S. W. AnthropOS. Internationale Zeitschrift für Völker- und Sprachenkunde. Herausgegeben unter Mitarbeit zahlreicher Missionare von P. W. Schmidt S. V. D. Zaunrith, Salzburg. Le monde*orientale. Archives pour l'histoire et Fethnographie, les langues et litteratures. religions et traditions de FEurope Orientale et de l'Asie. Publiees par K. F. Johansson, K. B. Wiklund, J. A. Lundell, K. Y. Zettersteen, Uppsala. Das vorige Jahr hat uns zwei neue ethnographische Zeitschriften beschert, denen es wahrscheinlich vergönnt sein wird, viel neues und lehrreiches Material auf dem unermesslichen Gebiete der Völkerkunde zu sammeln und zu verarbeiten. Die Zeitschrift „Anthropos" will hauptsächlich ein Sammelorgan für die Arbeiten der Missionare sein und füllt in dieser Beziehung entschieden eine empfindliche Lücke aus, indem sie erstens zur Schulung (auf volkskundlichem Gebiete) der zahlreichen überall zerstreuten Missionare dienen und zweitens dieselben zur Veröffentlichung ihrer auf Grund jahrelanger Beobachtungen gewonnenen Resultate anregen wird. Die erschienenen Hefte sind prachtvoll ausgestattet, was sich besonders vom Bildersehmuek sagen lässt. „Le Monde Orientale" hat sich hauptsächlich den Osten Europas als Forschungsgebiet erkoren, wodurch die Fragen, die das Slaventum und seine Beziehungen zum übrigen Europa berühren, in den Vordergrund treten. Berücksichtigt man, dass die slavischeu Sprachen im übrigen Europa meist unbekannt sind, so wird man der betreffenden Zeitschrift ihr Existenzreeht nicht absprechen können. Beiden Zeitschriften ist die Vielsprachigkeit gemeinsam, was für den gewöhnlichen Leser, der doch höchstens 2—3 Sprachen beherrscht, sehr störend ist, indem die Hälfte und mehr des Materials für ihn verloren geht. Lässt sich die Zahl der Sprachen aus irgend einem Grunde durchaus nicht reduzieren, so wäre doch wenigstens ein kurzes Resume in einer allgemein gangbaren Sprache sehr von nöten. S. W. Max Jungmann. Dornen. Berlin, Leonhard Simion Kf., 1906. 84 S. kl. 80. Mk. 2,-. In schönen und wohlklingenden Versen ergiesst sich in diesem Buche ein jüdisches Herz über die „europäische Kultur" und eine gewisse „christliche Toleranz", welche von den gemarterten Juden als Dornen empfunden werden, die sie zu beissender und geisselnder Satire anspornen, vielleicht das beste Mittel im Kampfe gegen Heuchelei. Der verzweiflungsvolle Fluch: Dich möge die Hölle verschlingen, Verdammte Jugendzeit! — spricht klar genug, wie es einem jüdischen Jüngling unter den Segnungen dieser „europäischen Kultur" ergeht. Aber vielleicht bricht schon mit der jung- 10*

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