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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1907-01-01 · 4 (1907) · p. Seite 107

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
Issue
4 (1907)
Date
1907-01-01
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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— 107 — Von den vielen jüdischen Goldschmieden, die der französische Gesandte St. Olon zu Ende des 17. Jahrhunderts in der Stadt Marocco antraf, ist bereits im ersten Artikel gesprochen worden, Ans den „Asiat, und Äfrikan. Denkwürdigkeiten dieser Zeit" (Nürnberg 1676; S. 529 u. 534) erfahren wir, dass auch die Gesandtschaft Ludwig XIV. an den König von Tafiletta, Muley Aryid, unter M. Eoland Freju 1666 einen Juden Aaron Corsinet als des Königs Goldschmied antraf, der sich bei diesem ebenso wie dieses Pürsten jüdischer „Allmosenier", Carsenay, grossen Einflusses erfreute. Haben wir in dem ersten Artikel erwähnt, dass sich in Navarra zu Ende des 14. Jahrhunderts jüdische Goldschmiede vorfanden, so können solche dort auch schon 100 Jahre früher nachgewiesen werden, da berichtet wird, dass in Tudela die jüdischen Schuhmacher und Gold- und Silberschmiede für ihre Läden, die sie auf einem besonderen Marktplatz hatten, im Jahre 1269 an Theobald II. 1365 Sueldos zu entrichten hatten. (Kayserling in Jew. Encycl. XII. S. 270.) Von den vielen jüdischen Goldschmieden, die sich zu den verschiedensten Zeiten in Polen vorfanden, ist schon wiederholt gesprochen worden. Aber auch ihnen wurden manchmal beim Betreiben ihres Gewerbes Hindernisse in den Weg gelegt. So wurde unter den vielen Hnndek- und Gtwerbeschränkungen, die den Juden Wilnas in den Jahren zwischen 1653 und 1669 durch König Joh. Casemir auf Betreiben der Innungen auferlegt wurden, 1664 auch den dortigen jüdischen Goldschmieden das fernere Betreiben dieses Handwerks untersagt. (Jew. Encycl. XII S. 528.) Schon früher ist gesagt worden, dass auch in England einige jüdische Goldschmiede arbeiteten. So hören wir einen derselben, den Silberschmied Simon Hart nennen, der, nachdem er seit etwa 1760 in Yarmouth gelebt, 1801 sich um Erlangung eines Begräbnisplatzes bewarb und nach dessen Erlangung schon im folgenden Jahr als erster darauf beerdigt wurde. (Jew. Encycl. XII. S. 587.) Von jüdischen Goldschmieden, die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Arad gelebt haben, wurde bereits im I. Nachtrag gesprochen. Es fanden sich aber auch in anderen ungarischen Städten solche vor, und zwar auch schon im 18. Jahrhundert, trotzdem, wie bereits früher bemerkt, den ungarischen Juden erst seit 1805 die Freimeisterei gestattet wurde. Einer derselben, Löbl oder Leb Politzer, Sohn des Jochanan Politzer aus Altofen, war Goldarbeiter in Szegedin und erfreute sich solchen Ansehens, dass er in den Jahren 1797—98 und 1802—4 dort Gemeindevorsteher war. Es liegen Gründe vor, die es vermuten lassen, dass auch bereits sein Vater dieses Gewerbe betrieben hat. Jedenfalls war sein Bruder, Jakob Politzer, gleichfalls Goldarbeiter, wie dies

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