Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- Neue Folge. Dritter Jahrgang (1907)
- Issue
- 3 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 95 — war für ihn ein ,,Gottesdienst", . . . ein Verdienst bei Gott, . . noch weit häufiger eine Zahlung, für welche er von Gott reiche Vergeltung erwartete." Warum der Verfasser nicht auch diese Denk- und Handlungsweise auf Rechnung des Rationalismus und des ,,allgemein-bäuerlichen und spezifisch-fränkischen Realismus1' setzt, diese Frage zu beantworten muss Theologen überlassen bleiben. Von den übrigen Abhandlungen seien noch erwähnt: „Mythus, Sage, Märchen'* von E. Bethe und „die Heimat der Indogermanon und der Germanen*1 von K. Heltn. A. L. Zeitschrift des Vereins für rheinische uiid westfälische Volkskunde, herausgegeben von Prümer, Sartori, Schell und Wehrhan. 1. bis 3. Jahrgang Elberfeld 1904 bis 1906. Aus dem reichen und mannigfaltigen Inhalt dieser in Vierteljahrsheften erscheinenden Zeitschrift kann hier nur einiges hervorgehoben werden. Den Leserkreis zum Sammeln voikskundlichen Materials anzuregen und ihm dazu die nötigen Anleitungen zu geben bezwecken die Aufsätze: ,,die Gebiete der Volkskunde** und ,.das Kinderlied und Kinderspiel-* von Wehrhan, der „Fragebogen zur Sammlung der in der Eifel über das Kind verbreiteten Sitten und Gebräuche'' von Zender und Trenses Proben aus seinen Sammlungen zu einem rheiufränkischen Wörterbuch. Die Sprache behandeln vom volkskundlichen Standpunkte Jos. Müller „lieber die Prägnanz der Ausdrücke des Tadels und Unwillens in den rheinischen Mundarten," d. h. über die Bildung solcher Ausdrücke durch Ableitung und Zusammensetzung, ferner Zender „Tiere und Pflanzen im Eifeler Volks munde'* und „der Gruss und seine Formen in der Eifel." Die Anordnung und Betrachtung des Sprachschatzes nach verschiedenen Gesichtspunkten, so hier nach Begriffskreisen oder nach sachlichen Wortgruppen, ist am besten geeignet, die Anschauungsweise des Volkes durch die von verschiedenen Seiten einfallenden Streiflichter deutlich zutage treten zu lassen. „Rheinische Schiida" von Jos. Müller, „Lenscheider Aaschlääg" von Wierz und „Schildbürgerstückchen und Ortsneckereien im Selfkant" von Kapell enthalten neben vielen altbekannten Schildbürgerstreichen auch solche überraschend modernen Ursprungs. In den „Bemerkungen über die Zitrone im Glauben und Brauch des Volkes" von Schall in Elberfeld wird zur Erklärung des norddeutschen Brauches, den Verstorbenen und den Leichenträgern Zitronen in die Hand zu geben, die mit Gewürznägelchen durchstochene Zitrone aus Heines Rabbi von Bacharach angeführt, die als nervenstärkendes Riechmittei benutzt wird, vor allem aber die Mitteilung eines Freundes des Verfassers aus Bialystok in Russland. Dieser erzählt, dass sich die Juden an einem Tage des 14 Tage lang gefeierten Osterfestes in ,,die Schul*' begeben, jeder einen Granatapfel, die Aermeren eine Apfelsine oder Zitrone tragend, die offiziell als Stellvertreter des Granatapfels gelten, und dass sich in den folgenden Tagen die Juden untereinander mit solchen geweihten Aepfeln beschenken. Bei den christlichen Begräbnissen würde also die Zitrone anstatt des schwer zu beschaffenden Granatapfels, des Fruchtbarkeitssymbols der Juden und vieler alten Völker, getragen. Der Verfasser zieht daraus den Schluss, dass wir es mit einem alten orientalischen Gebrauche zu tun haben, der durch die Juden nach allen Ländern verpflanzt wurde. Besondere Beachtung verdiene der Umstand, dass die Zitrone bei den Juden stellvertretend für den Granatapfel auftrete und darum einst als Symbol der Fruchtbarkeit bei der Hochzeit in manchen Gegenden zur Verwendung gelangt sei. Man kann es dem Verfasser nicht verdenken, dass er die irrigen Angaben seines Gewährsmannes auf Treu und Glauben hingenommen und seinen Schlüssen zu Grunde gelegt hat, anstatt sich aus verlässlichen Quellen Aufschluss zu holen. Die Werke, welche den jüdischen Ritus, die religiösen Anschauungen und Gebräuche für das nichtjüdische Publikum darstellen, stammen meist aus